Pflichtausstattung im Auto: Was immer dabei sein muss und was sinnvoll ist
Verbandkasten, Warndreieck und Warnweste gehören in Deutschland zur Pflichtausstattung. Dieser Ratgeber zeigt, worauf Sie bei den Pflichtteilen achten sollten und welche Extras sich im Alltag bewähren.
Im Kofferraum sammelt sich mit der Zeit einiges an: Einkaufstaschen, Sportsachen, Werkzeug oder der Kindersitz vom letzten Ausflug. Beim Ausmisten sollten Sie jedoch genau hinsehen, denn einige Gegenstände sind gesetzlich vorgeschrieben und können im Ernstfall entscheidend sein. Hier erfahren Sie, was in Deutschland in jedem Pkw vorhanden sein muss, wie Sie die Ausrüstung sinnvoll verstauen und welche freiwilligen Extras den Platz wert sind.
Diese drei Dinge sind im Pkw Pflicht
Für Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland ist die Liste kurz. Mitgeführt werden müssen:
- Verbandkasten: Er muss der geltenden Norm entsprechen und vollständig sein. Prüfen Sie regelmäßig das Haltbarkeitsdatum der sterilen Materialien und ersetzen Sie benutzte oder abgelaufene Teile.
- Warndreieck: Es muss stabil stehen und gut sichtbar sein. Kontrollieren Sie gelegentlich, ob es unbeschädigt ist und sich problemlos aufklappen lässt.
- Warnweste: Vorgeschrieben ist mindestens eine Weste pro Fahrzeug. Achten Sie beim Kauf auf eine Kennzeichnung nach der gültigen Norm für Warnkleidung.
Fehlt eines dieser Teile bei einer Kontrolle, kann ein Verwarngeld fällig werden. Schwerer wiegt allerdings, dass Sie nach einem Unfall oder bei einer Panne schlechter geschützt sind und anderen weniger gut helfen können.
Papiere: Immer im Original dabeihaben
Neben der Ausrüstung kommt es auf die Dokumente an. Den Führerschein und die Zulassungsbescheinigung Teil I, besser bekannt als Fahrzeugschein, müssen Sie bei jeder Fahrt mitführen und auf Verlangen vorzeigen können. Eine Fotokopie genügt dafür nicht.
Bewahren Sie die Papiere am besten im Portemonnaie oder in einer Dokumentenmappe auf, die Sie beim Aussteigen mitnehmen. Im Handschuhfach sind sie bei einem Autodiebstahl oder Einbruch gleich mit weg, was den Dieben die Sache zusätzlich erleichtern kann.
Richtig verstauen: Griffbereit statt ganz unten
Die beste Ausrüstung nützt wenig, wenn sie im Notfall unter dem Gepäck liegt. Diese Plätze haben sich bewährt:
- Warnweste: in der Türablage oder im Handschuhfach, damit Sie sie schon vor dem Aussteigen anziehen können.
- Verbandkasten: an einem festen Platz, den auch Mitfahrende kennen, etwa im Seitenfach des Kofferraums oder unter dem Sitz.
- Warndreieck: so im Kofferraum befestigt, dass es auch bei voller Beladung erreichbar bleibt.
Eine zusätzliche Weste für jede mitfahrende Person ist zwar keine Pflicht, aber eine günstige und sinnvolle Vorsorge. Am Straßenrand sind dann alle gut zu erkennen, nicht nur die Person am Steuer.
Pannenhilfe: Ersatzrad oder Dichtmittel?
Ein Reserverad ist in Deutschland nicht vorgeschrieben, und viele neuere Autos werden auch gar nicht mehr damit ausgeliefert. Schauen Sie deshalb am besten jetzt nach, was in Ihrem Fahrzeug vorhanden ist, und nicht erst nach einem Plattfuß.
| Lösung | Vorteile | Einschränkungen |
|---|---|---|
| Vollwertiges Ersatzrad | Hilft auch bei größeren Reifenschäden | Braucht viel Platz, wiegt mehr, Wagenheber und Werkzeug nötig |
| Notrad | Platzsparender als ein normales Rad | Nur für kurze Strecken und mit begrenztem Tempo gedacht |
| Dichtmittel mit Kompressor | Leicht und kompakt | Wirkt nur bei kleinen Löchern in der Lauffläche, nicht bei Schäden an der Reifenflanke oder großen Rissen |
Falls Sie ein Dichtmittel nutzen, kontrollieren Sie dessen Haltbarkeitsdatum, denn die Flüssigkeit ist nicht unbegrenzt verwendbar. Nach dem Einsatz fahren Sie vorsichtig zur nächsten Werkstatt und halten sich an die Vorgaben in der Anleitung. Lassen Sie den Reifen dort prüfen, denn er ist danach oft nicht mehr dauerhaft nutzbar.
Freiwillige Extras, die sich bewähren
Über die Pflicht hinaus zahlen sich einige kleine Helfer aus, ohne viel Platz zu beanspruchen:
- Taschenlampe, damit Sie im Dunkeln etwas sehen und die Hände möglichst frei haben, etwa mit einer Stirnlampe
- Arbeitshandschuhe für den Radwechsel
- Ladekabel für das Smartphone
- Stift und Unfallbericht, um Angaben nach einem Schaden direkt festzuhalten
- Eiskratzer und eine Decke in der kalten Jahreszeit
- Starthilfekabel, besonders bei älteren Batterien
Alles andere darf gern in der Garage bleiben. Unnötiges Gewicht erhöht den Verbrauch, und ungesicherte Gegenstände können bei einer Vollbremsung gefährlich durch den Innenraum fliegen. Auch ein ungenutzter Dachträger oder eine leere Dachbox sollten abmontiert werden, weil sie den Luftwiderstand erhöhen.
Vor Auslandsfahrten die Regeln prüfen
Die Ausrüstungspflichten sind nicht überall gleich. In manchen Ländern gelten andere Vorgaben, etwa zur Zahl der Warnwesten oder zu weiterer Sicherheitsausstattung. Informieren Sie sich vor der Abreise bei offiziellen Stellen oder Ihrem Automobilclub über die aktuellen Bestimmungen aller Länder auf Ihrer Route, auch der Transitländer.
Häufige Fragen
Muss ich für jede Person im Auto eine Warnweste mitführen?
In Deutschland reicht für einen Pkw eine Weste. Empfehlenswert ist dennoch eine für jede Person im Fahrzeug, zumal im Ausland abweichende Regeln gelten können.
Darf ich mit einem abgelaufenen Verbandkasten weiterfahren?
Tauschen Sie abgelaufene sterile Materialien besser aus. Sie sind nach Ablauf des Datums nicht mehr zuverlässig keimfrei, und bei einer Kontrolle kann der Kasten beanstandet werden.
Wie weit muss das Warndreieck entfernt stehen?
Als Faustregel gelten innerorts etwa 50 Meter, auf Landstraßen etwa 100 Meter und auf Autobahnen mindestens 150 Meter. Stellen Sie es so auf, dass der nachfolgende Verkehr rechtzeitig reagieren kann, und achten Sie dabei auf Ihre eigene Sicherheit.
Ist ein Ersatzrad vorgeschrieben?
Nein. Sinnvoll ist aber eine Lösung, mit der Sie bei einer Reifenpanne weiterkommen, oder ein Schutzbrief beziehungsweise eine Pannenhilfe, die Sie im Zweifel rufen können.


