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Neobroker im Überblick: Was der Wertpapierhandel per App wirklich kostet

Aktien und ETFs lassen sich heute für wenig Geld per App handeln. Entscheidend sind aber nicht nur die Ordergebühren, sondern auch Kursspannen, Produktauswahl, Service und die eigene Anlagestrategie.

Ausgeschaltetes Smartphone neben einem Cappuccino auf einem Cafétisch an einem bewölkten Mittag

Ein Depot eröffnen, die Identität per Video bestätigen und wenig später den ersten ETF-Sparplan einrichten: Was früher oft einen Termin bei der Bank erforderte, erledigen viele Menschen heute auf dem Sofa. Sogenannte Neobroker haben den Wertpapierhandel stark vereinfacht und die Gebühren spürbar gesenkt. Das ist für Privatanlegerinnen und Privatanleger eine gute Nachricht. Doch ein niedriger Orderpreis allein macht noch kein gutes Depot. Dieser Ratgeber zeigt, wie die Angebote funktionieren, wo versteckte Kosten lauern können und worauf Sie vor der Anmeldung achten sollten.

Was Neobroker von klassischen Banken unterscheidet

Neobroker sind schlanke Anbieter, die ihr Geschäft weitgehend digital betreiben. Filialen gibt es nicht, die Bedienung läuft überwiegend per App, und auch der Kundenkontakt ist meist auf digitale Kanäle ausgerichtet. Dadurch sparen die Unternehmen Kosten, die sie teilweise in Form günstiger Konditionen weitergeben.

MerkmalNeobrokerDirektbankFilialbank
Orderkostenmeist sehr niedrighäufig mittel, oft abhängig vom Volumenoft vergleichsweise hoch
Handelsplätzemeist wenigemeist große Auswahlje nach Institut unterschiedlich
Persönliche Beratungin der Regel keinein der Regel kaumin der Regel vorhanden
Bedienungvor allem AppWebsite und AppFiliale, Website und App

Die Tabelle zeigt typische Tendenzen. Im Einzelfall können die Bedingungen deutlich abweichen, deshalb lohnt immer ein Blick in das aktuelle Preisverzeichnis.

Wie sich die niedrigen Gebühren erklären

Auch ein scheinbar kostenloser Handel muss sich für den Anbieter rechnen. Je nach Unternehmen stammen die Einnahmen aus unterschiedlichen Quellen, etwa aus Vereinbarungen mit Handelspartnern, aus Provisionen für bestimmte Produkte, aus Zinsen auf Kundenguthaben oder aus kostenpflichtigen Zusatzleistungen. Das ist nicht automatisch ein Nachteil. Sie sollten aber wissen, wie Ihr Anbieter verdient, denn daraus können sich Anreize ergeben, bestimmte Produkte besonders sichtbar zu platzieren.

Diese Kosten sollten Sie prüfen

  • Spread: Das ist der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Er fällt bei viel gehandelten Papieren meist gering aus, kann bei wenig gefragten Werten oder in hektischen Marktphasen aber deutlich größer werden.
  • Fremdkostenpauschalen: Manche Anbieter berechnen sie zusätzlich zur eigentlichen Ordergebühr.
  • Produktkosten: Fonds und ETFs haben eigene laufende Kosten, die unabhängig vom Depot anfallen.
  • Sonderleistungen: Für einzelne Services, etwa bestimmte Auslandsgeschäfte oder Papierdokumente, können Entgelte anfallen.
  • Depotübertrag und Kündigung: Prüfen Sie, wie ein späterer Wechsel abläuft und ob dabei Einschränkungen gelten.

Für wen sich ein App-Depot eignet

Besonders passend ist ein Neobroker, wenn Sie einen überschaubaren Anlageplan verfolgen, zum Beispiel monatlich in breit gestreute ETFs sparen. Gerade bei kleinen Beträgen fallen feste Gebühren stark ins Gewicht, sodass günstige Konditionen hier besonders hilfreich sein können.

Weniger geeignet kann ein solches Depot sein, wenn Sie persönliche Beratung wünschen, viele verschiedene Börsenplätze nutzen möchten oder gezielt nach seltenen Anleihen, Nebenwerten und speziellen Fonds suchen. Viele Apps bieten eine kleinere Auswahl als etablierte Direktbanken. Auch die Handelszeiten und die verfügbaren Ordertypen unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter.

Depot auswählen: So gehen Sie Schritt für Schritt vor

  1. Bedarf festlegen: Überlegen Sie, ob Sie vor allem sparen oder auch einzelne Aktien kaufen möchten und wie oft Sie handeln wollen.
  2. Produktliste prüfen: Kontrollieren Sie vor der Eröffnung, ob Ihre Wunsch-ETFs oder Aktien überhaupt verfügbar und sparplanfähig sind.
  3. Gesamtkosten rechnen: Spielen Sie ein typisches Jahr mit Ihren geplanten Käufen durch, statt nur die beworbene Ordergebühr zu vergleichen.
  4. Steuerfragen klären: Prüfen Sie, ob der Anbieter die Abgeltungsteuer automatisch abführt und einen Freistellungsauftrag ermöglicht. Andernfalls müssen Sie sich selbst um die korrekte Angabe in der Steuererklärung kümmern.
  5. Sicherheit und Erreichbarkeit bewerten: Achten Sie auf Zwei-Faktor-Anmeldung, die Bankpartner im Hintergrund und darauf, wie Sie im Störungsfall Hilfe bekommen.

Typische Fallen beim Handeln per Smartphone

Die größte Gefahr liegt oft nicht in den Gebühren, sondern im eigenen Verhalten. Wenn eine Order nur noch zwei Fingertipps entfernt ist, steigt die Versuchung, spontan auf Nachrichten oder Kursbewegungen zu reagieren. Häufiges Umschichten kann selbst bei geringen Gebühren teuer werden, weil jedes Geschäft Spread-Kosten verursacht und schlecht getroffene Zeitpunkte die Rendite schmälern können.

  • Legen Sie Ihre Strategie schriftlich fest, bevor Sie investieren.
  • Nutzen Sie bei Einzelwerten Limit-Orders, um keinen unerwartet schlechten Kurs zu erhalten.
  • Meiden Sie Hebelprodukte und andere komplexe Angebote, wenn Sie deren Funktionsweise nicht genau verstehen.
  • Investieren Sie nur Geld, das Sie längerfristig nicht benötigen. Eine Rücklage für Notfälle sollte separat bleiben.
  • Deaktivieren Sie Kurs-Benachrichtigungen, wenn diese Sie zu hektischen Entscheidungen verleiten.

Wertpapiere können an Wert verlieren, auch bei breiter Streuung. Eine niedrige Gebühr verringert dieses Marktrisiko nicht.

Häufige Fragen

Sind meine Wertpapiere bei einer Pleite des Anbieters verloren?

Wertpapiere im Depot gelten grundsätzlich als Eigentum der Kundinnen und Kunden und sind vom Vermögen der Depotbank getrennt. Für Guthaben auf dem Verrechnungskonto greift die jeweilige Einlagensicherung. Prüfen Sie, welches Institut im Hintergrund tätig ist und welche Regeln dort gelten.

Kann ich mein Depot später zu einem anderen Anbieter umziehen?

In den meisten Fällen ist das möglich. Bestimmte Produkte lassen sich jedoch nicht immer übertragen, wenn der neue Anbieter sie nicht führt. Informieren Sie sich deshalb vorab bei beiden Seiten.

Brauche ich zusätzlich noch ein Girokonto?

Meist ja, denn Ein- und Auszahlungen laufen in der Regel über ein Referenzkonto. Das Verrechnungskonto beim Broker ersetzt normalerweise nicht Ihr Alltagskonto.

Ist ein Neobroker auch für Einsteiger geeignet?

Grundsätzlich ja, weil die Bedienung meist einfach ist. Da eine persönliche Beratung in der Regel fehlt, sollten Sie sich jedoch selbst mit den Grundlagen der Geldanlage beschäftigen, bevor Sie Ihre erste Order aufgeben.