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Steuererklärung: Selbst machen, Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater?

Nicht jede Steuererklärung braucht professionelle Hilfe, doch bei manchen Fällen lohnt sie sich. So finden Sie heraus, welche Unterstützung zu Ihrer Situation passt und worauf Sie bei Kosten, Fristen und Auswahl achten sollten.

Belege sortieren, Formulare verstehen, Fristen im Blick behalten: Die Steuererklärung gehört für viele Menschen nicht zu den beliebtesten Aufgaben. Trotzdem kann sich die Mühe lohnen, denn häufig zahlt das Finanzamt am Ende Geld zurück. Ob Sie die Erklärung selbst erstellen oder Unterstützung holen sollten, hängt vor allem davon ab, wie umfangreich Ihre Einkünfte sind und wie sicher Sie sich beim Ausfüllen fühlen.

Zuerst klären: Müssen Sie überhaupt abgeben?

Viele Beschäftigte, Studierende sowie Rentnerinnen und Rentner sind nicht zur Abgabe verpflichtet. Eine freiwillige Erklärung kann sich dennoch lohnen, etwa wenn Sie Fahrtkosten, Arbeitsmittel, Handwerkerrechnungen oder Spenden geltend machen können. Für eine freiwillige Abgabe haben Sie in der Regel bis zu vier Jahre Zeit.

Eine Pflicht kann dagegen zum Beispiel in diesen Fällen bestehen:

  • Sie sind selbstständig oder haben entsprechende Nebeneinkünfte.
  • Sie haben Lohnersatzleistungen wie Kurzarbeiter- oder Elterngeld oberhalb einer bestimmten Grenze erhalten.
  • Sie sind verheiratet und nutzen die Steuerklassenkombination III und V.
  • Sie hatten gleichzeitig mehrere Arbeitsverhältnisse.
  • Das Finanzamt hat Sie ausdrücklich zur Abgabe aufgefordert.

Ob eine Pflicht besteht, hängt immer vom Einzelfall ab. Im Zweifel hilft eine kurze Nachfrage beim Finanzamt.

Drei Wege zur fertigen Steuererklärung

WegGeeignet fürKosten
Selbst erstellenüberschaubare Fälle und Menschen, die sich gern selbst einarbeitenELSTER ist kostenlos, Steuersoftware meist kostenpflichtig
Lohnsteuerhilfevereinviele Beschäftigte, Rentnerinnen und Rentner sowie Studierende ohne selbstständige TätigkeitMitgliedsbeitrag, häufig nach Einkommen gestaffelt
SteuerberatungSelbstständige, Unternehmen und komplexe private FälleVergütung nach gesetzlichem Rahmen, abhängig von Umfang und Fall

Wann ein Lohnsteuerhilfeverein passt

Lohnsteuerhilfevereine beraten ihre Mitglieder bei typischen Themen rund um Arbeitslohn, Renten, Unterhalt und Kinder. Ihre Befugnis ist allerdings gesetzlich begrenzt: Einnahmen aus Vermietung oder Kapitalanlagen sind nur bis zu bestimmten Grenzen zulässig. Gewerbliche oder freiberufliche Einkünfte schließen eine Beratung in der Regel aus, auch wenn es sich nur um einen kleinen Nebenerwerb handelt.

Fragen Sie deshalb vor dem Eintritt, ob der Verein Sie mit Ihren Einkünften betreuen darf. Prüfen Sie auch, wie hoch der Beitrag ist, ob eine Aufnahmegebühr anfällt und wie Sie wieder kündigen können. Die Mitgliedschaft endet meist nicht automatisch, nachdem die Erklärung abgegeben wurde.

Wann sich eine Steuerberatung lohnt

Bei Selbstständigkeit, einem eigenen Betrieb oder freiberuflicher Arbeit führt meist kein Weg an einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater vorbei, sofern Sie Hilfe benötigen. Sinnvoll kann die Beratung auch bei diesen Themen sein:

  • Vermietung mehrerer Wohnungen oder Kauf und Verkauf von Immobilien
  • Erbschaften und größere Schenkungen
  • Einkünfte aus dem Ausland
  • Photovoltaikanlagen, sofern die steuerliche Behandlung nicht eindeutig ist
  • Abfindungen oder andere größere Einmalzahlungen

Die Vergütung richtet sich nach der Steuerberatervergütungsverordnung, die einen gewissen Spielraum lässt. Sprechen Sie die voraussichtlichen Kosten deshalb schon beim ersten Termin an und lassen Sie sich möglichst eine schriftliche Einschätzung geben.

So finden Sie die passende Unterstützung

Der günstigste Anbieter ist nicht automatisch die beste Wahl. Achten Sie bei der Suche besonders auf diese Punkte:

  1. Fachgebiet: Fragen Sie nach Erfahrung mit Fällen wie Ihrem, etwa bei Vermietung oder Auslandseinkünften.
  2. Qualifikation: Die Berufsbezeichnung „Steuerberater“ ist gesetzlich geschützt und setzt eine Zulassung voraus. Manche Vereine lassen ihre Beratungsstellen zusätzlich freiwillig zertifizieren.
  3. Erreichbarkeit: Klären Sie, ob Beratung vor Ort, per Telefon oder digital möglich ist und wie Unterlagen sicher übermittelt werden.
  4. Vertrauen: Sie legen sehr persönliche Daten offen. Nutzen Sie das erste Gespräch, um zu prüfen, ob Sie sich gut aufgehoben fühlen.
  5. Transparenz: Sie sollten vorab wissen, welche Leistungen enthalten sind und welche Unterlagen benötigt werden.

Fristen im Blick behalten

Wer zur Abgabe verpflichtet ist, sollte den Termin ernst nehmen, denn bei Verspätung kann ein Zuschlag fällig werden. Lassen Sie sich von einer Steuerberatung oder einem Lohnsteuerhilfeverein unterstützen, gilt in der Regel eine deutlich längere Frist. Das setzt aber voraus, dass Sie sich rechtzeitig kümmern, denn gerade in der Hochsaison sind Termine oft knapp.

Die aktuellen Stichtage finden Sie bei Ihrem Finanzamt oder auf den Seiten der Finanzverwaltung Ihres Bundeslandes. Wird es knapp, beantragen Sie möglichst vor Ablauf der Frist und mit Begründung eine Verlängerung. Ein Anspruch darauf besteht jedoch nicht automatisch.

Häufige Fragen

Kann ich die Kosten für die Hilfe absetzen?

Teilweise. Kosten, die mit der Ermittlung von Einkünften zusammenhängen, können Sie in der Regel als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend machen. Rein private Anteile, etwa für den Mantelbogen, sind dagegen nicht abziehbar.

Wer haftet, wenn in der Erklärung ein Fehler steckt?

Für eigene Beratungsfehler müssen Beratende grundsätzlich einstehen. Sie selbst bleiben aber dafür verantwortlich, vollständige und richtige Angaben zu machen. Prüfen Sie die Erklärung deshalb vor der Abgabe.

Hilft auch das Finanzamt beim Ausfüllen?

Bei allgemeinen Fragen zu Formularen und Verfahren bekommen Sie dort Auskunft. Eine individuelle Steuerberatung oder Tipps zur Gestaltung Ihrer Steuern dürfen Sie vom Finanzamt jedoch nicht erwarten.

Lohnt sich Hilfe auch bei einer kleinen Erstattung?

Das hängt vom Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen ab. Bei einfachen Fällen reichen oft ELSTER oder eine Steuersoftware. Sind Sie unsicher oder hat sich Ihre Lebenssituation verändert, kann sich eine Beratung trotzdem lohnen.