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Jetzt die Bonusmeilen – Skandal um Bundespräsident Wulff geht weiter

13. Januar 2012 • Politik

Die Mehrheit der deutschen Bürger hält den Bundespräsidenten bereits für dauerhaft beschädigt. Doch im Skandal um Christian Wulff kommen immer weitere Details ans Licht. Am Donnerstag begannen die Medien ihre Korrespondenz mit Wulffs Anwalt zu veröffentlichen. Am Freitag kehrte die Debatte zurück zu Wulffs Bonusmeilen aus seiner Zeit als Ministerpräsident.

Seit Wochen steht der Bundespräsident bereits im Zentrum der Medienöffentlichkeit. Der Skandal, der als Kredit begann und dann um den Bindestrich Medienaffäre ergänzt werden musste, hat am Freitag erneut Zuwachs erhalten.

Bonusmeilenaffäre?

Zu den bereits bestehenden Anschuldigungen gegen Bundespräsident Wulff, kam am Freitag noch der Vorwurf der „Bild“-Zeitung, Wulff habe als Ministerpräsident von Niedersachsen seine dienstlichen und privaten Flugmeilen nicht getrennt.

Auch in diesem Fall sieht es so aus als wäre das „Vergehen“ von Christian Wulff gar nicht so schwerwiegend. Das Problem ist allerdings, dass diese Anschuldigungen sich zu der seit Wochen diskutierten Kredit-und Mailboxaffäre gesellen und langsam aber sicher ein Gesamtbild eines Präsidenten formen, der so kaum haltbar ist.

Es geht nur um einen Flug

Bei ihren Vorwürfen bezieht die „Bild“-Zeitung sich nur auf einen Flug, den Wulff 2007, gemeinsam mit seiner Frau Bettina und ihrem Sohn, genommen haben soll. Nach Angaben eines Passagiers dieses Fluges von Miami nach Frankfurt habe der damalige Ministerpräsident während des Fluges plötzlich ein Upgrade von der Economy in die teurere Business-Class bekommen. Auf Anfrage der Zeitung bestritt Wulffs Rechtsanwalt zunächst diese Aussage. „Die Flugtickets waren von Anfang an in der Business-Class gebucht. Der Aufpreis im Vergleich zur Economy-Class wurde durch private Meilen beglichen“, sagte Gernot Lehr gegenüber „Bild“.

Das Problem ist Missinformation

Genau wie bei der Kredit-und Medienaffäre ist auch diesmal Missinformation das größte Problem des Bundespräsidenten. Zu viele Aussagen widersprechen sich. So z.B., die Aussage von Lehr vom 5. Januar. da hatte Wulffs Anwalt noch mitgeteilt: „Für ein Upgrade von der Economy-Class zur Business-Class während eines Fluges in die USA mit der Lufthansa setzte Herr Wulff seine privat erworbenen Bonusmeilen ein.“ Die Lufthansa teilte auf „Bild“-Anfrage mit, dass Meilen-Upgrades an Bord überhaupt nicht möglich seien.

Auf die Frage wie Christian Wulff an genug private Bonusmeilen gekommen sei um eine dreiköpfige Familie von Florida nach Frankfurt zu fliegen, gab Lehr an, Wulff setze die Karte seit Ende der 1980er-Jahre ein. Das „Miles & More“-Programm der Lufthansa existiert aber erst seit 1993, die Kreditkarte, die Wulff benutzt haben will, wird laut „Bild“ sogar erst seit 1999 angeboten.

Der Präsident wird zum Mosaik aus Fehltritten und Erklärungsversuchen

Verfolgt man den Skandal um Christian Wulff, wundert man sich, warum der Bundespräsident anscheinend nicht aus seinen Fehlern lernt. Aus dem Debakel um seinen Kredit und nachfolgenden Anruf bei diversen Redakteuren hätte Wulff den andere Schlüsse ziehen müssen. Stattdessen verfolgt er anscheinend weiter die sogenannte „Salami-Taktik“, alles nur scheibchenweise zugeben.Was er dabei anscheind vergisst, ist die öffentliche Meinung.

Mehrheit hält Bundespräsident Christian Wulff für dauerhaft geschädigt

In einer ARD-Umfrage aus der letzten Wochen hatten 57 Prozent der Befragten ausgesagt, der Präsident und seine Handlungen wären ihnen peinlich. Doch genauso viele Menschen hatten auch den Eindruck Wulff wäre des Opfer der Medien, die es auf ihn abgesehen haben. Aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des ZDF-Politbarometers geht hervor, dass 72 Prozent der Befragten der Ansicht sind, dass Bundespräsident Christian Wulff, durch seine Kredit- und Medienaffäre dauerhaft geschädigt wurde. Dennoch sprechen sich 50 Prozent für Wulffs Verbleib im Amt aus. 44 Prozent sind für seinen Rücktritt.

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