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Erneut nur bedingt einsatzfähig: Mängelwirtschaft bei der Bundeswehr

29. Januar 2020 • Deutschland, Gesellschaft, Politik

Der Wehrbeauftragte der Bundeswehr hat seinen Jahresbericht vorgelegt. Viel scheint sich bei der Truppe in den letzten zwölf Monaten nicht getan zu haben: Wie in den letzten Jahren auch bescheinigt das Papier den Verantwortlichen Mängel bei der Beschaffung und dem Material sowie ein ineffizientes Management.

Zu wenig Material, zu viel Amtsschimmel

Zu wenig Ausrüstung, Personalmangel, aber viel Bürokratie – so nehmen die Soldaten die Bundeswehr zurzeit war. Das ist der Eindruck, den der rund 100 Seiten starke 61. Jahresbericht des Wehrbeauftragten des Bundestages, Hans-Peter Bartels, hinterlässt. Dabei ist die Problematik nicht neu, sondern schleppt sich nur fort. Kehrt nicht bald eine Trendwende ein, kann das für die Soldaten zusätzliche Risiken bedeuten, wenn sie robuste Auslandseinsätze bestreiten müssen. Hier ein paar Problem-Beispiele:

„Kannibalisierung“ beim Mehrzweck-Kampfflugzeug Tornado

Der in die Jahre kommende Jet wird nach und nach durch den Eurofighter ersetzt, ist bis dahin aber noch das Rückgrat der Luftwaffe. Mittlerweile fehlt es an Ersatzteilen. Die Folge: reparaturbedürftige Tornados werden ausgeschlachtet, damit eine immer kleiner werdende Flotte der Flugzeuge noch aufsteigen kann. Diese Kannibalisierung beeinflusst als interne Kettenreaktion die Ausbildung der Piloten: Sie erreichen dadurch nicht die von der NATO geforderten 180 Flugstunden jährlich. Das hat Folgen: Immer mehr Bundeswehrpiloten kündigen, um in den zivilen Bereich zu wechseln. Das gilt besonders für gefrustete Eurofighter-Piloten.

Ebenfalls Ersatzteilmangel beim Schützenpanzer Puma

Das neue SPZ-System für die Panzergrenadiere der Bundeswehr hat nicht nur mit technischen Mängeln zu kämpfen, sondern es fehlt auch ihm an Ersatzteilen. Grund hierfür ist ein alter Beschluss des Verteidigungsministeriums, keine Ersatzteilvorräte mehr anzuschaffen. Stattdessen sollten diese „just in Time“ beschafft werden. Die Folge: Ersatzteil- und Waffensystemmängel. Ersatz für defekte Komponenten fehlt selbst bei neuen Anschaffungen. Obwohl organisatorisch nachgebessert wurde, wird der SPZ Puma durch diese Probleme erst im Jahr 2031 voll einsatzbereit sein, 15 Jahre nach seiner Einführung in die Truppe.

Einsatzbereitschaft der U-Boote ist auf Tauchstation

Die Bundesmarine besitzt sechs U-Boote. Im Jahr 2017 waren alle sechs über längere Zeit nicht einsatzfähig. Der Grund auch hier: Depots mit Ersatzteilen waren in der Vergangenheit abgeschafft worden, um Kosten einzusparen. Bei Defekten an der technischen Anlage musste jedes Ersatzteil für die Boote extra bestellt werden, die Wartezeiten betrugen daraufhin zum Teil mehrere Monate.

Ein anderes Problem der U-Boot-Waffe wirft ein Licht auf den Personalmangel: Für die sechs Boote standen zeitweise nicht einmal zwei vollständige Mannschaften bereit.

Bildnachweis: Pixabay, 4379457, Daniel6D

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