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Wulffs Neujahrsempfang wird boykottiert

12. Januar 2012 • Politik

Der Arbeitsalltag des Bundespräsidenten muss weitergehen, trotz Kredit- und Medienaffäre. Am Donnerstag hat Christian Wulff verdiente Bürger und Vertreter von gesellschaftlichen Gruppen zum traditionellen Neujahrstreffen empfangen. Doch einige Medienvertreter sagten ab. Sie wollten offenbar die Taten des Bundespräsidenten nicht durch ihre Anwesenheit beim Empfang sanktionieren.


Den Auftakt beim traditionellen Neujahrsempfang des Bundespräsidenten machten Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Vertreter der Medien, der Bundeswehr, der Kirchen und Kommunen. An Wulffs Seite begrüßte seine Ehefrau Bettina die Gäste in Schloss Bellevue.

Debatte um Kredit- und Medienaffäre geht weiter

Trotz Wulffs Entschlossenheit mit seinem Alltag fortzufahren wie bisher, holt ihn die Kredit- und Medienaffäre immer wieder ein. So auch heute beim Neujahrsempfang auf Schloss Bellevue. Wulff war am Dienstag in die Kritik geraten weil seine Anwälte, ungeachtet seines Versprechens Transparenz zu schaffen, nur eine sechsseitige Zusammenfassung der Anfragen und Antworten zur Affäre veröffentlichten.

Wegen mangelnder Transparenz boykottiert

Um gegen die „Desinformationspolitik des deutschen Staatsoberhaupts“ zu demonstrieren blieb der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, am Donnerstag dem Empfang des Bundespräsidenten fern. Nach DJV-Angaben ist es das erste Mal, dass der Verbandsvorsitzende den traditionellen Neujahrsempfang beim Bundespräsidenten boykottiert.

Auch die Vorsitzende der Antikorruptionsorganisation Transparency International, Edda Müller, hat ihre Teilnahme am Neujahrsempfang abgesagt. Müller begründete ihre Absage, „Im Moment hat man den Eindruck, dass er auf das Vergessen der Leute spekuliert“, sagte sie im ZDF-„Morgenmagazin“ und fügte an: „Das ist für mich und unsere Organisation unerträglich“. Eine Demutsgeste in der Öffentlichkeit zu signalisieren und dann zur Tagesordnung überzugehen, sei kein Verhalten, das der Würde des Amtes gemäß sei.

Erstes öffentliches Zusammentreffen mit Merkel

Gegen Mittag empfing der Bundespräsident Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Kabinett. Es ist das erste öffentliche Zusammentreffen der beiden Politiker seit Beginn der Kreditaffäre. Der Empfang Merkels war ausgesprochen freundlich, die Kanzlerin zeigte sich entspannt und scherzte mit Wulff und seiner Gattin. Freundschaftlich griff Merkel Bettina Wulff an den Unterarm.

Noch am Mittwoch hatte die Kanzlerin ihre Überzeugung bekräftigt, dass Christian Wulff alle wichtigen Fragen beantworten werde. Doch die Stimmen die seinen Rücktritt fordern wollen einfach nicht verstummen. Auch die Kritik aus den eigenen Reihen wird immer lauter.

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