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Finanzen

Wie viel Rendite ist mit Aktien realistisch?

Aktien bieten Chancen auf Vermögenszuwachs, doch sichere Erträge gibt es nicht. Dieser Ratgeber zeigt, wie Rendite entsteht, was sie schmälert und wie Sie Ihre Erwartungen realistisch einschätzen.

Wer sein Geld in Aktien anlegt, stellt sich fast immer dieselbe Frage: Was kommt am Ende dabei heraus? Eine verlässliche Zahl kann niemand nennen. Sie können aber verstehen, woraus sich die Rendite zusammensetzt, welche Faktoren sie beeinflussen und welche Rolle Ihr eigenes Verhalten spielt. Das hilft, Chancen nüchtern einzuschätzen und teure Fehler zu vermeiden.

Woraus sich die Rendite einer Aktie zusammensetzt

Der Ertrag einer Aktienanlage hat zwei Quellen:

  • Kursveränderung: Steigt der Börsenwert eines Unternehmens, wird auch Ihr Anteil daran mehr wert. Fällt er, sinkt der Wert Ihrer Anlage.
  • Dividenden: Viele Unternehmen geben einen Teil ihres Gewinns an die Aktionäre weiter. Ob und in welcher Höhe das geschieht, kann sich jedes Jahr ändern.

Wer Ausschüttungen wieder anlegt, profitiert zusätzlich vom Zinseszinseffekt, denn künftige Erträge entstehen dann auch auf frühere Erträge. Achten Sie deshalb bei Renditeangaben darauf, ob Dividenden eingerechnet sind. Ein reiner Kursvergleich kann die tatsächliche Entwicklung verzerren.

Was die Vergangenheit zeigt und was nicht

Breit gestreute Aktienanlagen haben über lange Zeiträume historisch meist mehr erwirtschaftet als Sparbuch oder Tagesgeld. Der Weg dorthin war allerdings selten gleichmäßig: Auf starke Börsenjahre folgten immer wieder Krisen mit erheblichen Kursverlusten, die teils erst nach Jahren aufgeholt wurden.

Solche Rückblicke sind nützlich, um ein Gefühl für Schwankungen zu bekommen. Eine Prognose sind sie nicht. Das Ergebnis hängt stark davon ab, wann Sie ein- und aussteigen, welche Märkte Sie wählen und wie sich Wirtschaft, Zinsen und Inflation entwickeln. Verluste sind auch bei längerer Haltedauer nicht ausgeschlossen.

Warum schon kleine Unterschiede viel ausmachen

Wie stark sich der Zinseszins auswirkt, zeigt ein vereinfachtes Rechenbeispiel. Angenommen werden eine Einmalanlage von 10.000 Euro, eine Laufzeit von 20 Jahren und ein gleichbleibender jährlicher Ertrag. Kosten, Steuern und Inflation bleiben unberücksichtigt.

Angenommene Rendite pro JahrEndwert nach 20 Jahren (gerundet)
3 Prozent18.100 Euro
5 Prozent26.500 Euro
7 Prozent38.700 Euro

Die Werte sind reine Mathematik und keine Erwartung für die Zukunft. An der Börse verläuft keine Anlage so gleichmäßig. Die Tabelle zeigt aber, warum Zeit und schon wenige Prozentpunkte Unterschied so viel Gewicht haben.

Was von der Rendite am Ende übrig bleibt

Entscheidend ist nicht die Bruttorendite, sondern das, was tatsächlich bei Ihnen ankommt. Drei Faktoren schmälern das Ergebnis:

  • Kosten: Depotgebühren, Ordergebühren und laufende Fondskosten fallen je nach Anbieter und Produkt sehr unterschiedlich aus. Im obigen Beispiel macht ein Prozentpunkt weniger, also 4 statt 5 Prozent pro Jahr, nach 20 Jahren rund 4.600 Euro Unterschied aus.
  • Steuern: Auf Kapitalerträge wird in Deutschland grundsätzlich Abgeltungsteuer fällig. Mit einem Freistellungsauftrag bei Ihrer Bank können Sie den Sparerpauschbetrag nutzen, sodass Erträge bis zu dieser Grenze steuerfrei bleiben.
  • Inflation: Steigende Preise mindern die Kaufkraft. Aussagekräftig ist daher vor allem die reale Rendite, also der Ertrag nach Abzug der Teuerung.

So gehen Sie die Aktienanlage sinnvoll an

Die Börse können Sie nicht steuern, Ihre Anlagestrategie dagegen schon. Diese Schritte helfen dabei:

  1. Reserve zuerst: Halten Sie für unerwartete Ausgaben, etwa eine kaputte Waschmaschine oder eine Autoreparatur, genügend Geld auf einem Tagesgeldkonto bereit.
  2. Anlagedauer festlegen: Geld für den Autokauf in drei Jahren gehört nicht in Aktien. Für die Altersvorsorge in mehreren Jahrzehnten kommen sie dagegen eher infrage.
  3. Breit streuen: Einzelne Aktien können stark einbrechen. Fonds oder ETFs auf große, internationale Indizes verteilen das Risiko auf viele Unternehmen, Branchen und Länder.
  4. Regelmäßig investieren: Mit einem Sparplan legen Sie unabhängig von der Stimmung an der Börse feste Beträge an und müssen keinen vermeintlich idealen Einstiegszeitpunkt suchen.
  5. Ruhe bewahren: Wer in Krisen aus Angst verkauft, macht Buchverluste endgültig. Überlegen Sie deshalb vorab, welche Rückgänge Sie aushalten könnten, ohne nervös zu werden.

Häufige Fragen

Wie lange sollte ich mindestens in Aktien investieren?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Häufig werden mindestens zehn bis 15 Jahre empfohlen, damit Zeit bleibt, um Kursrückgänge aufzuholen. Eine Garantie ist aber auch das nicht.

Kann ich mit Aktien mein gesamtes Geld verlieren?

Bei einer einzelnen Aktie ist das möglich, etwa wenn das Unternehmen insolvent wird. Bei einem breit gestreuten Fonds ist ein Totalverlust sehr unwahrscheinlich, deutliche Wertverluste können aber auch dort auftreten.

Wie schätze ich die Wirkung einer Rendite schnell ein?

Dabei hilft die 72er-Regel: Teilen Sie 72 durch die angenommene jährliche Rendite in Prozent. Das Ergebnis zeigt ungefähr, nach wie vielen Jahren sich ein Betrag verdoppeln würde, bei 6 Prozent also nach rund zwölf Jahren. Das ist nur eine Faustformel, keine Vorhersage.

Ist jetzt ein guter Zeitpunkt für den Einstieg?

Den besten Moment kann niemand verlässlich vorhersagen. Wichtiger ist, dass die Anlage zu Ihren Zielen, Ihrer Risikobereitschaft und Ihrer finanziellen Lage passt. Wer unsicher ist, kann das Geld schrittweise anlegen oder sich unabhängig beraten lassen, zum Beispiel bei einer Verbraucherzentrale.