Wieder schwanger nach einer Fehlgeburt: Wie Sie mit Hoffnung und Angst umgehen
Nach einer Fehlgeburt ist eine neue Schwangerschaft oft Freude und Belastungsprobe zugleich. Dieser Ratgeber zeigt, was Ihnen in der Zeit des Wartens helfen kann und wo Sie Unterstützung finden.
Ein positiver Schwangerschaftstest löst nicht immer nur Freude aus. Wer bereits ein Kind in der Schwangerschaft verloren hat, spürt oft gleichzeitig Angst, Vorsicht und manchmal sogar Schuldgefühle gegenüber dem verlorenen Kind. Diese Mischung ist verständlich und kein Zeichen dafür, dass Sie sich zu wenig freuen. Eine Garantie für den Verlauf kann Ihnen niemand geben. Sie können aber einiges tun, um sich in dieser Zeit sicherer und weniger allein zu fühlen.
Erst einmal ankommen: Trauer braucht Zeit
Fehlgeburten kommen häufig vor, besonders in den ersten Schwangerschaftswochen. Für Betroffene macht das den Verlust aber nicht kleiner. Manche trauern intensiv, andere empfinden vor allem Leere oder funktionieren zunächst einfach weiter. Auch innerhalb einer Partnerschaft kann der Umgang damit sehr unterschiedlich sein. Das sagt nichts darüber aus, wie viel das Kind dem Einzelnen bedeutet hat.
Vielen Eltern hilft es, dem Abschied eine Form zu geben:
- einen Brief an das Kind schreiben
- einen Baum oder eine Pflanze an einem besonderen Ort setzen
- an einem festen Tag im Jahr bewusst eine Kerze anzünden
- eine Erinnerungskiste mit Ultraschallbild und anderen persönlichen Dingen anlegen
Wichtig zu wissen: Die meisten frühen Fehlgeburten lassen sich nicht auf das Verhalten der Mutter zurückführen. Oft liegt die Ursache in einer gestörten Entwicklung des Embryos. Wenn Sie Schuldgefühle belasten, sprechen Sie diese in der Frauenarztpraxis offen an.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine neue Schwangerschaft?
Eine Wartezeit, die für alle gilt, gibt es nicht. Aus medizinischer Sicht hängt die Empfehlung davon ab, wie die Fehlgeburt verlaufen ist, ob ein Eingriff nötig war und wie es Ihnen körperlich geht. Lassen Sie sich dazu in Ihrer Frauenarztpraxis individuell beraten.
Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, ob Sie sich seelisch bereit fühlen. Diese Fragen können Ihnen und Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin helfen:
- Wünschen wir uns ein weiteres Kind oder vor allem, dass der Schmerz aufhört?
- Können wir offen darüber sprechen, was uns Angst macht?
- Wer könnte uns unterstützen, falls es wieder schwierig wird?
Haben Sie mehrere Fehlgeburten erlebt, fragen Sie nach, ob eine genauere Abklärung sinnvoll ist. Spezialisierte Sprechstunden gibt es unter anderem an größeren Kliniken.
Die ersten Wochen: Wenn jeder Tag zählt
Viele Frauen erleben den Beginn der neuen Schwangerschaft als Zeit der Daueranspannung. Besonders schwer sind oft die Woche, in der es beim letzten Mal zum Verlust kam, und die Tage vor Ultraschallterminen. Diese Strategien können die Anspannung lindern:
- Offen mit der Praxis reden: Erzählen Sie von Ihrer Vorgeschichte und fragen Sie, ob ein Termin in einer kritischen Woche möglich ist.
- Fragen notieren: In der Aufregung geht beim Arztbesuch vieles unter. Eine Liste und eine Begleitperson können helfen.
- Etwas für danach planen: Ein Spaziergang oder ein Treffen nach dem Termin gibt dem Tag zusätzlich einen festen Punkt.
- Internetsuche begrenzen: Symptome zu recherchieren beruhigt selten lange. Wenden Sie sich mit konkreten Sorgen lieber direkt an Ihre Praxis oder Hebamme.
Bei Blutungen, starken Schmerzen oder anderen Beschwerden, die Sie beunruhigen, sollten Sie sich umgehend ärztlich melden. Eine Blutung bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Schwangerschaft gefährdet ist, sie sollte aber abgeklärt werden.
Wem Sie wann davon erzählen
Für den Zeitpunkt gibt es keine Regel. Manche Paare möchten die Nachricht zunächst für sich behalten, andere brauchen früh Rückhalt. Ein Mittelweg kann sein, zunächst nur ein oder zwei Vertrauten davon zu erzählen, die auch bei schlechten Nachrichten für Sie da wären.
Gut gemeinte Sätze wie „Diesmal klappt es bestimmt“ können verletzen. Sie dürfen ruhig sagen, was Ihnen guttut, zum Beispiel: „Ich möchte gerade nicht beruhigt werden, sondern einfach erzählen können.“
Wer Ihnen weiterhelfen kann
| Anlaufstelle | Unterstützung |
|---|---|
| Frauenarztpraxis | Medizinische Betreuung, Fragen zum Verlauf, Überweisungen |
| Hebamme | Begleitung nach der Fehlgeburt und in der neuen Schwangerschaft |
| Schwangerschaftsberatungsstelle | Kostenfreie Gespräche, auch für Paare, und Hinweise auf weitere Angebote |
| Psychotherapie | Hilfe bei anhaltender Angst, Niedergeschlagenheit oder belastenden Erinnerungen |
| Selbsthilfegruppe | Austausch mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben |
Holen Sie sich früh professionelle Hilfe, wenn Sie kaum noch schlafen, dauerhaft niedergeschlagen sind oder die Angst Ihren Alltag bestimmt. Einen Termin für ein psychotherapeutisches Erstgespräch vermittelt auch die Terminservicestelle unter 116117. In akuten Krisen erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111.
Häufige Fragen
Ist es normal, sich nicht richtig freuen zu können?
Ja, das erleben viele Frauen und ihre Partner oder Partnerinnen. Der Selbstschutz ist nach einem Verlust verständlich. Die Bindung zum Kind kann auch nach und nach entstehen.
Habe ich nach einer Fehlgeburt Anspruch auf Hebammenhilfe?
Ja, die Betreuung durch eine Hebamme ist auch nach einer Fehlgeburt möglich. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, welche Leistungen in Ihrem Fall übernommen werden.
Bin ich nach einer Fehlgeburt krankgeschrieben?
Das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt je nach körperlicher und seelischer Verfassung. Ab einer bestimmten Schwangerschaftswoche können außerdem Mutterschutzfristen gelten. Lassen Sie sich dazu in Ihrer Praxis oder Beratungsstelle informieren.
Darf ich das verlorene Kind in der neuen Schwangerschaft weiter betrauern?
Ja. Trauer und Vorfreude schließen sich nicht aus. Das neue Kind ersetzt das verlorene nicht, und beide dürfen ihren Platz in Ihrer Familiengeschichte haben.


