Stierkampf: Eine umstrittene Tradition

Es gibt ihn seit Hunderten von Jahren, der Stierkampf hat in Spanien eine lange Tradition. Aber jetzt formiert sich auch in seinem Heimatland der Widerstand gegen das blutige Spektakel.

Im Mittelalter sollen sich die Ritter die Zeit mit der Corrida de Toros vertrieben haben – damals noch hoch zu Ross. Die erste Stierkampfarena stammt aus dem Jahr 1749, knapp 50 Jahre später, anno 1796, hielt der Matador José Delgado die Regeln in der Schrift „Tauromaquia“ fest. Der Ablauf ist seitdem mehr oder weniger gleichgeblieben. Übrigens: Wer eine garantiert gewaltfreie Variante eines Stierkampfs sucht, ist auf der Internetseite El Torero richtig:

Proteste in Madrid

Im Juni 2017 gingen zum Beispiel in Spaniens Hauptstadt Madrid Tausende auf die Straße, um gegen den Stierkampf zu protestieren und forderten ein landesweites Verbot. Aufgerufen hatte unter anderem die Organisation „Stierkampf ist Gewalt“. Deren Sprecherin Laura Gonzalo meinte „Es ist an der Zeit, dass sich alle Gesellschaftskräfte vereinigen, um Basta zu sagen!“

Seit 2013 gilt Stierkampf in Spanien als „nationales Kulturerbe“. Das bedeutet unter anderem, dass die Corridas durch öffentliche Gelder gefördert werden können. Im Land wird das Thema kontrovers diskutiert: Stierkampf-Befürworter sehen darin eine Kunst und einen Teil der spanischen Kultur. Die Gegner halten die Corrida für Tierquälerei und verweisen auf ein schrumpfendes Interesse der Spanier an den Kämpfen.

Einzelne spanische Regionen wagen Alleingänge

Einzelne spanische Regionen haben schon Alleingänge gestartet, um den Stierkampf zu verbieten. Auf den Kanarischen Inseln zum Beispiel wurde 1991 das Tierschutzgesetz so verschärft, dass Stierkämpfe danach illegal waren. 2012 trat in Katalonien ein Stierkampfverbot in Kraft, das allerdings 2016 vom spanischen Verfassungsgericht wieder aufgehoben wurde. Und auf Mallorca soll dieser Tage ein neues Gesetz in Kraft treten. Demnach sind Stierkämpfe zwar erlaubt – aber nur in einer entschärften Variante, bei der die Tiere nicht verletzt oder gar getötet werden dürfen.

 

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