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Der Artikel prüft, ob der E-Book-Reader das gedruckte Buch ablösen wird.

Müssen wir uns doch vom gedruckten Buch verabschieden?

17. November 2014 • Kultur & Medienwelt

Diese bange Frage stellt sich in den letzten Jahren immer mehr passionierten Lesern. Nicht mehr am Abend in einem gemütlichen Sessel sitzen und eine Seite nach der anderen umblättern. Nicht mehr der besondere Geruch des Papiers. Nicht mehr das Stöbern in Buchläden, Antiquariaten und Bibliotheken. Eine über 500 Jahre währende Tradition soll nun ihrem Ende entgegen gehen? Allein der Gedanke ist für einen Bibliophilen unvorstellbar. Jedoch gibt es Tendenzen, die auf diese Entwicklung hinweisen.

Siegeszug des E-Books im angelsächsischen Raum

Besonders in den angelsächsischen Ländern scheint der Siegeszug des E-Books nicht mehr aufzuhalten zu sein. Schon im Jahr 2011 verkaufte der Internethändler Amazon international mehr E-Books als gedruckte Bücher. In einer Anfang Juni herausgegebenen Studie der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers wurde die Prognose gestellt, dass 2017 die Umsätze mit E-Books in den USA jene mit gedruckten Büchern übersteigen wird.

Verschlafene Tendenz

Der deutsche Buchhandel hat diese Entwicklung lange Zeit unterschätzt. So haben nur etwa die Hälfte aller Verlage überhaupt E-Books im Angebot. Jedoch zeigt die Jahresbilanz des Börsenvereins des Buchhandels ein wachsendes Interesse des Kunden an dieser neuen Form des Buches. Betrug der Anteil der E-Book Verkäufe am Gesamtumsatz des Buchhandels im Jahr 2011 nur 0,8 Prozent, so waren es im vergangenen Jahr bereits 2,4 Prozent. Bei etwa einem Drittel der in Deutschland gekauften E-Reader handelt es sich um das von Amazon produzierte „Kindle“. Dies hat wiederum zur Folge, dass fast die Hälfte aller E-Books in Deutschland bei dem amerikanischen Internethändler gekauft werden. In den letzten Monaten versuchte der deutsche Buchhandel dieser Entwicklung entgegen zu steuern. Die Buchhandelsketten Thalia, Hugendubel, Weltbild und Bertelsmann brachten gemeinsam den E-Reader „Tolino“ auf den Markt. Erste Erfolge werden schon sichtbar. Der deutsche Buchhandel hofft nun mit dem wachsenden Interesse am E-Book, den seit Jahren schrumpfenden Umsatz im Buchhandel aufzuhalten.

Vorteile des E-Books

Gerade in der Urlaubszeit, wo früher der eifrige Leser drei bis vier Bücher in den Koffer stopfen musste, ist das E-Book von einer großen Praktikabilität. Die klassischen Werke der Weltliteratur kann man kostenlos herunterladen, Notizen kann man problemlos anbringen, ohne das Buch zu schädigen. Die Vorteile des E-Books sind unbestritten. Jedoch wird es ihm nicht gelingen, das gedruckte Buch gänzlich zu verdrängen. Im Bereich der Bildbände und der bibliophilen Ausgaben wird das gedruckte Buch immer seine Nische finden.


IMG: Thinkstock, iStock, Bet_Noire

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