Fiesta für die Mundwinkel
Die Werte für Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit sind eindrucksvoll: In 6,9 Sekunden geht es im Ford Fiesta ST aus dem Stand auf 100 Sachen, erst bei 220 km/h ist Schluss. Gefühlt kommt beim Umgang mit dem munteren Kölner aber noch ein dickes serienmäßiges Extra dazu, nämlich eine große Portion Fahrspaß, der vollautomatisch die Mundwinkel nach oben wandern lässt.
Bei sportlichen Kleinwagen beweist Ford schon lange ein glückliches Händchen. Ein frühes Beispiel ist der Fiesta XR2 von 1976, der mit damals üppigen 62 kW/84 PS antrat. 1996 leistete das Sportmodell bereits 96 kW/130 PS. 2001 debütierte dann der Fiesta ST mit Zweiliter-Benziner und 110 kW/150 PS. Mittlerweile sind es 134 kW/182 PS, die ein nur 1,6 Liter großer Ecoboost-Benziner via Sechsgang-Handschalter an die Vorderräder loslässt. Angesichts eines Kampfgewichts von gerade mal 1.163 Kilo garantiert das viel Fahrspaß.
Das Triebwerk entfaltet seine Kraft auf Wunsch angenehm gleichmäßig oder auch recht explosiv, es setzt Gaspedalbefehle ansatzlos in Vortrieb um und findet im Fahrwerk einen kongenialen Partner: Es folgt präzise den Vorgaben der direkt abgestimmten Lenkung, ist straff, aber nicht brutal hart und ermöglicht eine ziemlich sportliche Fortbewegung mit hohen Kurvengeschwindigkeiten ohne das Gefühl von Unsicherheit. Dafür sorgt auch die aktive Fahrdynamikregelung Torque Vectoring Control: Die optimiert die Drehmomentverteilung zwischen den Vorderrädern, um sie an die Fahrbahnbedingungen anzupassen und ein Untersteuern zu verhindern. Und dafür sorgen die 17-Zoll-Leichtmetallräder mit 205/40er Bereifung.
Wenn es nass und rutschig wird, greift das ESP relativ früh ein, wer es doch ein wenig zügiger angehen will, der kann den elektronischen Schleuderschutz aber auch deaktivieren. Die großen Scheibenbremsen vorne und hinten garantieren eine der Leistung angemessene Verzögerung. Ein Wort zum Verbrauch: Auf dem Prüfstand schluckt der Fiesta ST 5,9 Liter Super auf 100 Kilometer. Und auf der Straße hat es der Pilot selbst im Gasfuß, ob es 7,5 oder knapp über zehn Liter sein sollen. Mehr Spaß generiert die höhere Zahl, das ist klar, sie setzt allerdings weitgehend freie Pisten voraus. Der Testdurchschnitt lag jedenfalls bei knapp über acht Liter.
Recaro-Sportsitze mit ausgeprägten Seitenwangen sorgen für den angesichts der möglichen Kurvendynamik dringend benötigten Seitenhalt. Das handliche Dreispeichen-Lederlenkrad und Alu-Elemente an Pedalerie, Schaltknauf, Lenkrad und Türgriffen setzen den sportlichen Außen-Look mit großem Kühlergrill, Seitenschwellern, Diffusor und den zwei verchromten Auspuff-Endrohren im Innenraum fort. Dort herrscht dank geschickten Sound-Engineerings eine volle und satte Geräuschkulisse, die man einem kleinen Vierzylinder gar nicht zutrauen würde – auch das passt gut zum Gesamteindruck des kleinen, starken Flitzers.
Serienmäßig hat der Fiesta ST unter anderem ein Audiosystem mit dem sprachgesteuerten "Sync"-Kommunikationssystem an Bord, das schlüssellose Zugangssystem, Scheinwerfer- und Scheibenwischer-Sensoren und natürlich eine Klimaanlage, deren Bedienteil ein wenig tief angeordnet ist. Die Bedienung des Sony-Audiosystems ist nicht wirklich selbsterklärend, die Tasten sind zum Teil ziemlich klein ausgefallen und die Menüs ein bisschen umständlich.
Und jetzt noch das Thema Finanzen: Der Ford Fiesta ST kostet ab 20.640 Euro, das sind rund 113 Euro pro PS – ein wirklich anständiges Angebot.
Rudolf Huber/mid
Technische Daten Ford Fiesta ST:
Fünfsitziger, fünftüriger Kleinwagen; Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 3,98/1,71/1,49/2,49, Leergewicht: 1.163 kg, Gepäckraumvolumen: 276 – 960 Liter, Tankinhalt: 42 Liter, Wendekreis: 11,2 m.
Motor: 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, max. Leistung: 134 kW/182 PS bei 5.700/min, max. Drehmoment: 240 Nm bei 1.600 – 5.000/min, Beschleunigung 0 – 100 km/h: 6,9 s, Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h, Frontantrieb, Normverbrauch: 5,9 l/100 km, CO2-Ausstoß: 138 g/km, Testverbrauch: 8,2 Liter/100 km, Preis: ab 20.640 Euro.
