Emotionsloser Favre, kritischer Reus, bescheidener Brandt

Köln – Lucien Favres Miene zeigte keine Regung. Als der 3:1 (0:1)-Sieg beim 1. FC Köln besiegelt war, nahm der Trainer von Borussia Dortmund das ganz nüchtern hin.

Er jubelte nicht, schnaufte nicht durch, klatschte nicht alle um sich herum ab. Und wer genau hinsah, erkannte sogar ein leichtes Kopfschütteln. Der Sieg in Köln nach 0:1-Rückstand bis zur 70. Minute hätte eigentlich für große Erleichterung sorgen müssen. Doch an diesem Tage hatte der Perfektionist Favre zu viele Dinge gesehen, die ihn störten.

KRITISCHER KAPITÄN: Dortmunds Leader Marco Reus hatte das Spiel auch nicht wie gewünscht gestalten können. Kölns bissiger Neuzugang Birger Verstraete nahm «Deutschlands Fußballer des Jahres» gut aus dem Spiel. Vielleicht auch deshalb wollte Reus am Ende nichts schönreden. «Wir haben sechs Punkte, aber noch viel Luft nach oben», sagte er. «Wir sind noch lange nicht da, wo wir uns sehen und wo wir hinwollen.» Und mit Blick auf das drohende Videostudium der 1. Halbzeit sagte er gar: «Wenn wir uns das am Dienstag nochmal ansehen, werden wir uns in den Arsch beißen.»

GROSSE MORAL: Schon in der vergangenen Spielzeit hat Dortmund fünf Spiele nach Rückstand gewonnen. So viele wie kein anderes Team. In dieser noch jungen Saison sind es nach zwei Spieltagen schon zwei. Dominick Drexler hatte Köln in Führung gebracht (29.), Jadon Sancho (70.), Joker Achraf Hakimi (86.) und Paco Alcácer (90.+4) drehten das Spiel in der Schlussphase. «Gut ist: Wir wissen, dass wir auch nach Rückständen ruhig bleiben müssen», sagte Torhüter Roman Bürki. «Wir dürfen nicht den Kopf verlieren und müssen weiter unseren Fußball spielen.»

BESCHEIDENER JOKER: Eine Stärke des BVB in dieser Saison dürfte die Qualität auf der Bank sein. Doch ausgerechnet der Mann, der die Wende brachte, übte sich in Bescheidenheit. «Dafür sitzen wir ja da, dass wir ab und zu nachlegen und einen frischen Impuls bringen können», sagte Julian Brandt. Der Nationalspieler war beim Stande von 0:1 gekommen, sorgte mit einem Traumpass auf Reus gleich für einen Hallo-Wach-Effekt und riss letztlich seine Kollegen mit. «Er hat andere Lösungen gefunden», sagte Reus. Die Frage, ob er künftig trotzdem nicht lieber von Anfang spielen wolle, «erübrigt sich», sagte Brandt. Das müsse aber nicht zwangsläufig in der Zentrale sein, wo er in der Rückrunde in Leverkusen bestach und auch am Freitag. «Ich spiele gerne im Zentrum», sagte er. «Aber am wichtigsten ist: Ich will überhaupt spielen. Und ich will gewinnen.»

KEIN GLÜCKSBRINGER: Sechs Böcke vor ihm hatten sich gleich beim Einstand als Glücksbringer bewährt. Für Hennes IX. galt das nicht. Beim Debüt des Geißbocks, der den an Arthrose erkrankten Hennes VIII. als Maskottchen der Kölner ersetzt, zeigte der FC zwar ein gutes Spiel. Doch am Ende war er der erste Hennes seit dem II. im Jahr 1966, bei dessen Premiere der FC verlor.


(dpa)

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