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Die meisten Deutschen haben höchstens zwei enge Freunde

3. Januar 2020 • Familie & Freizeit

Berlin – «Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was

es gibt auf der Welt». Das sangen vor 90 Jahren schon «Die Drei von der Tankstelle» in der gleichnamigen Filmkomödie – und natürlich auch die Comedian Harmonists.

Der römische Politiker und Philosoph Marcus Tullius Cicero wusste schon vor 2000 Jahren «Ohne Freundschaft ist das Leben nichts». Doch wer die Erwachsenen in Deutschland zum Thema Freundschaft befragt, bekommt es mit einer gewissen Vorsicht zu tun.

Yougov-Umfrage

So haben nach eigenen Angaben über 50 Prozent höchstens zwei enge

Freunde oder aber gar keine. Und fast jeder achte (13 Prozent) sagte,

niemandem seine tiefen Gedanken und Gefühle anzuvertrauen. Das geht

aus einer repräsentativen Yougov-Umfrage im Auftrag der Deutschen

Presse-Agentur hervor.

In der Umfrage sagten 40 Prozent, sie hätten nur ein bis zwei enge

Freunde, also vertraute Personen, die ihnen nahestehen. 11 Prozent

sagten, sie hätten niemanden, auf den das zutreffe. Im Westen (11

Prozent) sagten übrigens mehr Menschen, keine engen Freunde zu haben

als im Osten (8 Prozent). Von denjenigen mit engen Freunden sagten 42

Prozent, sie hätten darunter einen besten Freund oder eine beste

Freundin. Auf Frauen trifft das häufiger zu (46 Prozent) als auf

Männer (38 Prozent).

«Face to Face»- und «Side by Side»-Freundschaften

Psychologen sprechen von unterschiedlichen Tendenzen in Sachen

Freundschaft bei den Geschlechtern: Während Frauen sich öfter gezielt

treffen, um sich auszutauschen und ihre Beziehung zu pflegen, wollen

Männer oft eher nur etwas gemeinsam unternehmen und erleben.

Psychologen sprechen von «Face to Face»-Freundschaften bei vielen

Frauen im Gegensatz zu «Side by Side»-Freundschaften bei vielen

Männern.

Ein Drittel (34 Prozent) aller Befragten mit engen Freunden sagte,

mehrere davon zu den besten zu zählen. Immerhin ein Fünftel (21

Prozent) sagte, keinen besten Freund zu haben. Der Rest machte keine

Angabe.

Partner oder Freunden Intimes anvertrauen?

Der Kontakt zur besten Freundin oder zum besten Freund ist laut

Umfrage sehr unterschiedlich. So sagten 26 Prozent, sie sähen sich

mehrmals im Jahr, 25 Prozent mehrmals im Monat. Seltener als einmal

im Jahr sehen sich 5 Prozent. Einmal im Jahr, einmal im Monat und

einmal die Woche sagten 4 Prozent, 13 Prozent beziehungsweise 12

Prozent. Immerhin jede(r) Zehnte sagte, mehrmals die Woche die beste

Freundin oder den besten Freund zu treffen, täglich aber nur 3

Prozent. Der Rest sagte «Nie» oder machte keine Angabe.

Wenn es darum geht, seine tiefen Gedanken und Gefühle zu teilen, dann

geben viele statt Freunden der Partnerin oder dem Partner den Vorzug

(46 Prozent) sowie der Familie (44 Prozent). Mit engen Freunden

sprechen aber immerhin 38 Prozent, mit dem besten Freund 12 Prozent.

13 Prozent sagten allerdings, mit niemandem tiefe Gefühle zu teilen.

Mehrfachantworten waren bei dieser Frage möglich.

Mit dem Arzt oder ihrem Therapeuten reden 8 Prozent, mit

Arbeitskollegen 5 Prozent und mit «freundschaftlichen Kontakten in

sozialen Netzwerken» 4 Prozent.

Zu alt für wahre Freundschaft?

Vor drei Jahren ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des

Apothekenmagazins
«Baby und Familie», dass viele Deutsche der Ansicht sind, dass neue tiefe Freundschaften im Erwachsenenalter eher selten sind. Fast die Hälfte (46 Prozent) sagte demnach, unter Erwachsenen geschlossene Bekanntschaften seien meist oberflächlich – echte Freundschaften würden daraus ganz selten. Jeder Vierte (fast 26

Prozent) war davon überzeugt, echte Freundschaften könne man

eigentlich nur als Kind und Jugendlicher schließen.

In der neuen Umfrage von Dezember 2019 kam nun in der Tat heraus,

dass viele Erwachsene in Deutschland alte Freundschaften pflegen. So

antworteten 60 Prozent mit Ja auf die Frage «Haben Sie

freundschaftliche Kontakte (persönlich und/oder in sozialen

Netzwerken), mit denen Sie bereits in Ihrer Kindheit und/oder

Schulzeit befreundet waren?».

Nachvollziehbar: Je jünger die Befragten waren, desto mehr Kontakt

bestand noch zu Jugendfreunden. Bei den Menschen, die älter als 55

sind, gab es dagegen eine Mehrheit von 52 Prozent, die sagte, sie

habe keine freundschaftlichen Kontakte aus der Kinder- und Jugendzeit

mehr.

Fotocredits: Patrick Pleul
(dpa)

(dpa)

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