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Der Stalleffekt auf Asthma-Gene – Was ist dran?

Der Stalleffekt auf Asthma-Gene – Was ist dran?

5. Januar 2016 • Gesundheit

In den westlichen Ländern wurde in den letzten 25 Jahren ein Anstieg von allergischen Erkrankungen bei Kindern verzeichnet. Besonders Asthma bronchiale sowie die allergische Rhinokonjunktivitis und das atopische Ekzem haben deutlich zugenommen. Diverse Umweltfaktoren, wie zum Beispiel die Innenraumallergenexposition wurden verdächtigt, Einfluss darauf ausgeübt zu haben. Neue Studien zeigen, inwieweit sich der sogenannte Stalleffekt der Allergenexposition auf Asthma-Gene auswirkt.

Das Zusammenspiel von Allergenen und allergischem Asthma

Das allergische Asthma beginnt meist bereits in früher Kindheit sowie im Jugendalter. Nicht selten lösen selbst im Erwachsenenalter Allergien Asthma aus. Dabei spielt vor allem die genetische Veranlagung oft die ausschlaggebende Rolle. Beim allergischen Asthma kommt es zu einer heftigen Abwehrreaktion der Atemwege auf allergieauslösende Stoffe durch die vermehrte Bildung des körpereigenen Antigens Immunglobin E. In der Medizin sind verschiedene Auslöser bekannt:

• Tierhaare und Federn
• Blüten- und Pflanzenpollen
• Hausstaubmilben
• Sporen und Schimmel
• Nahrungsmittel

Bis heute gibt es, trotz aller Bemühungen der Forscher, kein Heilmittel gegen Asthma. Es wurde jedoch festgestellt, dass eine allergenspezifische Immuntherapie in vielen Fällen das Immunsystem gegenüber den Allergenen toleranter machen kann, sodass die Symptome abgeschwächt werden. Daher wird versucht, bereits im frühen Kindesalter das Immunsystem zu stimulieren, damit es infolge toleranter gegenüber Allergenen reagiert.

Schon vor geraumer Zeit, bemerkten Forscher, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, seltener an Asthma erkranken als andere Kinder, obwohl hier die Allergenexposition besonders hoch ist. Diesen Anhaltspunkt nahm die Wissenschaft zum Anlass für vertiefende Untersuchungen des sogenannten „Stalleffekts“.

Neue Studie zeigt positive Ergebnisse des Stalleffekts

Mittlerweile haben diverse Studien gezeigt, dass Kinder mit veränderter Gensequenz, die bis zum ersten Lebensjahr regelmäßig mit Mikroorganismen in Ställen in Kontakt kommen, seltener Symptome für Infekte unterer Atemwege entwickeln als Kinder, die ebenfalls eine veränderte Gensequenz haben, sich jedoch nicht in Ställen aufhalten. Bei einer aktuellen Studie nahmen fast 1.000 Mütter teil, und zwar aus ländlichen Regionen, sodass die Entwicklung ihrer Kinder von Geburt aus verfolgt werden konnte.

Dabei zeigte sich, dass bei Kindern mit genetischer Asthma-Veranlagung, die sich von Geburt an mindestens zwei Stunden lang wöchentlich in Ställen aufhielten und den Mikroorganismen von Kühen und anderen Tieren ausgesetzt waren, das Risiko der Atemwegssymptome um 80 Prozent reduziert wurde. Zwar werden diese Kinder genauso oft mit Viren angesteckt werden, wie Kinder, die nicht auf Bauernhöfen leben, jedoch zeigen sie keine Atemwegs-Symptome zeigen und verarbeiten Infekte auf andere Art.

Der Stalleffekt ruft einen schützenden Effekt hervor

Beim Spielen in Ställen atmen Kinder eine komplexe Mischung aus Mikroorganismen ein, die in Partikeln von Gras und Heu enthalten sind. Die Kinder kommen sowohl mit Bakterien als auch mit Pilzen und Pollen in Kontakt. Das Entzündungsgeschehen im Körper wird verändert. So entsteht ein schützender Effekt, der schließlich so stark wirkt, als hätten diese Kinder gar keine genetisch bedingte Veranlagung, mit der Zeit an Asthma zu erkranken.

Da immerhin bei 75 Prozent der Bevölkerung ein genetisches Asthma-Risiko besteht, sind nun die Forscher darum bemüht, den positiven Stalleffekt als Ansatzpunkt für weitere präventive Studien zu benutzen. Denn langjährige Studien haben bisher gezeigt, dass Kinder in früher Kindheit davon profitieren können.

Kinder profitieren auch von Hautieren

Es ist jedoch nicht zwingend der Aufenthalt auf dem Bauernhof notwendig. Haustiere, wie Hund oder Katze, können ebenfalls das Immunsystem der Kinder auf positive Weise beeinflussen. So wurde in einer weiteren Studie ebenfalls bewiesen, dass das Risiko, an Asthma zu erkranken, bei Kindern in Haushalten mit Hund um ganze 15 Prozent gesenkt wird.

Warum dies passiert, wissen die Forscher zwar immer noch nicht genau, doch eines steht fest: Saubere Umgebungen fördern die Allergien eher als solche, in denen sich Tierhaare befinden. So wurde mittlerweile die Empfehlung, den Hausstaubmilbengehalt als eine vorbeugende Maßnahme im Haus zu reduzieren, in der Leitlinie Allergieprävention zurückgenommen. Eine sterile Umgebung ist daher für Kinder mit einer genetischen Veranlagung zur Entwicklung von Asthma bronchiale nicht zwingend förderlich.

Fotoquelle: Fotolia, 59276752, Pavel Losevsky

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