Pedelec-Akku im Winter: So schützen Sie ihn vor Kälte und Reichweitenverlust
Bei Frost geht E-Bike-Akkus schneller die Puste aus. Mit der richtigen Hülle, einem passenden Ladeplatz und einer angepassten Fahrweise kommen Sie trotzdem zuverlässig ans Ziel.
Am Morgen zeigt das Display noch einen gut gefüllten Akku, doch schon nach wenigen Kilometern fehlen mehrere Balken: Viele Pedelec-Fahrerinnen und -Fahrer kennen das aus der kalten Jahreszeit. Ein Defekt muss dahinter nicht stecken, denn Lithium-Ionen-Akkus reagieren grundsätzlich empfindlich auf niedrige Temperaturen. Wer ein paar Gewohnheiten anpasst, kann auch im Winter zuverlässig fahren und den Akku schonen.
Warum Kälte die Reichweite verringert
Im Inneren eines Akkus laufen chemische Prozesse ab, die sich bei Kälte verlangsamen. Gleichzeitig steigt der elektrische Widerstand der Zellen. Der Akku kann dadurch weniger Energie abgeben, obwohl er vollständig geladen wurde. Hinzu kommen weitere Faktoren, die im Winter am Energievorrat zehren:
- Nasse, matschige oder verschneite Wege erhöhen den Rollwiderstand.
- Dicke Kleidung und Gegenwind machen das Treten mühsamer.
- Das Licht ist in der dunklen Jahreszeit häufiger und länger eingeschaltet.
Die gute Nachricht: Der Leistungsverlust durch niedrige Temperaturen ist in der Regel vorübergehend. Sobald der Akku wieder wärmer wird, steht ihm meist auch wieder seine gewohnte Kapazität zur Verfügung. Wie stark sich die Reichweite verändert, hängt unter anderem von Temperatur, Strecke, Gewicht und Unterstützungsstufe ab.
Thermohülle: kleiner Aufwand, spürbarer Nutzen
Eine isolierende Hülle kann keine Wärme erzeugen, sie hält aber die vorhandene Wärme länger im Akku. Außerdem schützt sie ihn vor Fahrtwind, Nässe und Streusalz. Besonders sinnvoll ist sie, wenn der Akku schon warm am Rad angebracht wird. Achten Sie beim Kauf auf diese Punkte:
- Passform: Die Hülle sollte genau zur Bauform Ihres Akkus passen. Das gilt für Modelle am Unterrohr ebenso wie für Gepäckträgerakkus.
- Zugänglichkeit: Bedienelemente, Ladebuchse und Schloss sollten erreichbar bleiben, soweit die Konstruktion dies vorsieht.
- Halt: Das Material darf während der Fahrt weder verrutschen noch an Kurbeln oder Kabeln scheuern.
- Herstellerfreigabe: Prüfen Sie, ob der Hersteller Ihres Rades Vorgaben zur Verwendung von Hüllen macht.
Bei integrierten Akkus, die im Rahmen sitzen, ist eine klassische Hülle oft nicht möglich. Fragen Sie in diesem Fall im Fachhandel nach passenden Lösungen für Ihr Modell. Nehmen Sie die Hülle zum Laden ab, sofern die Anleitung nichts anderes vorgibt.
Richtig laden und lagern
Beim Laden ist Kälte besonders heikel, denn sehr kalte Zellen können dabei Schaden nehmen. Manche Akkus oder Ladegeräte unterbrechen den Vorgang deshalb automatisch. So gehen Sie am besten vor:
- Bringen Sie den herausnehmbaren Akku nach der Fahrt ins Haus.
- Lassen Sie ihn in Ruhe auf Raumtemperatur kommen, bevor Sie ihn anschließen.
- Laden Sie ihn auf einer trockenen, nicht brennbaren Unterlage und möglichst unter Aufsicht.
- Setzen Sie ihn erst kurz vor der Abfahrt wieder ein.
Heizkörper, Öfen und andere Wärmequellen sind zum Aufwärmen tabu. Auch Feuchtigkeit sollte vor dem Laden abgetrocknet sein. Bei fest eingebauten Akkus lohnt sich ein frostfreier Abstellplatz, damit das ganze Rad vor dem Laden die Temperatur des Raumes annehmen kann.
Machen Sie im Winter längere Zeit Pause, lagern Sie den Akku trocken und frostfrei. Er sollte dann weder ganz leer noch randvoll sein. Viele Hersteller empfehlen einen mittleren Ladestand; die genauen Angaben finden Sie in der Bedienungsanleitung. Kontrollieren Sie den Ladestand gelegentlich, damit sich der Akku nicht tief entlädt.
Mit angepasster Fahrweise weiterkommen
Auch unterwegs können Sie einiges für Reichweite und Sicherheit tun. Der Akku erwärmt sich im Betrieb etwas, dennoch hat die Sicherheit bei der Wahl der Unterstützungsstufe immer Vorrang. Auf Schnee, Laub oder glatten Flächen kann ein kräftiger Schub das Hinterrad durchdrehen lassen.
- Fahren Sie bei rutschigem Untergrund behutsam an und wählen Sie eine niedrige Stufe.
- Schalten Sie vorausschauend und treten Sie möglichst gleichmäßig.
- Kontrollieren Sie regelmäßig den Reifendruck, denn zu weiche Reifen kosten Energie. Beachten Sie die Angaben auf der Reifenflanke.
- Planen Sie bei längeren Touren eine Reserve ein und fahren Sie den Akku nicht bis zum letzten Balken leer.
Wann sich ein zweiter Akku lohnt
Für lange Pendelstrecken oder Ausflüge ohne Lademöglichkeit kann ein zusätzlicher Akku sinnvoll sein. Allerdings ist das eine vergleichsweise teure Anschaffung. Prüfen Sie deshalb zuerst, ob sich das Problem auch durch Nachladen am Arbeitsplatz oder ein zweites Ladegerät lösen lässt.
Wenn Sie kaufen, sollte der Akku ausdrücklich für Ihr Antriebssystem freigegeben sein. Lassen Sie sich im Zweifel im Fachhandel beraten und meiden Sie Angebote mit unklarer Herkunft: Ungeeignete oder minderwertige Akkus können technische Probleme verursachen und ein Sicherheitsrisiko sein.
Häufige Fragen
Darf ich mein Pedelec bei Frost fahren?
In der Regel ja, sofern die Bedingungen sicher sind und die Herstellerangaben dies zulassen. Rechnen Sie aber mit weniger Reichweite und starten Sie möglichst mit einem Akku, der zuvor im Warmen gelagert wurde.
Kann ich den Akku in der Garage laden?
Das ist möglich, wenn der Raum trocken ist und die Temperatur innerhalb des vom Hersteller genannten Ladebereichs liegt. In einer ungeheizten Garage ist das im Winter nicht immer der Fall, ein Platz im Haus ist dann die bessere Wahl.
Sollte der Akku draußen am Rad bleiben?
Besser nicht. Nehmen Sie ihn nach Möglichkeit mit ins Warme, wenn das Rad länger im Freien steht. Das schont ihn und sorgt dafür, dass er beim nächsten Start nicht ausgekühlt ist.
Woran erkenne ich, dass der Akku ersetzt werden muss?
Lässt die Reichweite auch bei milden Temperaturen deutlich nach, kann das an der Alterung liegen. Viele Fachwerkstätten können den Zustand auslesen. Bei sichtbaren Schäden, ungewöhnlicher Wärmeentwicklung oder Verformungen sollten Sie den Akku nicht weiter verwenden und fachkundigen Rat einholen.