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Vom Arbeitskleid zur Tracht: Das Dirndl

26. November 2019 • Lifestyle

Das Dirndl wird heute von den meisten Menschen als Must-have fürs Oktoberfest assoziiert. Genauso wie die Lederhose wird das Kleid mit Schürze als authentische bayerische Tracht wahrgenommen. Dabei begann der Siegeszug des Dirndls nicht als Haute-Couture-Kleidungsstück, sondern als schlichte Arbeitskleidung.

Geburt als „Leiblgwand“

Seinen Ursprung hat das Dirndl im 19. Jh.: Damals trugen die Mägde auf dem Land als tägliches Kleidungsstück ein sogenanntes Leiblgwand. Es war weit geschnitten, damit es beim Arbeiten auf dem Feld, im Stall oder in der Küche genügend Bewegungsspielraum zuließ. Die vorherrschenden Farben waren grau und braun. Außerdem bedeckte es in den damals streng katholischen Regionen Bayerns und Österreichs fast den ganzen Körper.

Über dem Leiblgwand trug die Magd eine Schürze, die das Gewand vor größeren Verschmutzungen schützte. Sie wurde aus alter Bettwäsche hergestellt. Muster hatten die Schürzen selten, meistens waren sie unifarben. Sowohl Gewand als auch Schürze waren vom Aussehen heutiger Dirndl weit entfernt.

Modischer Durchbruch in den Dreißigerjahren

Erst gegen Ende des 19. Jh. wandelte sich das Leiblgwand langsam aber sicher zum Dirndl, wie wir es heute kennen. Der Grund hierfür waren bürgerliche junge Frauen aus den Städten, die im Sommer auf dem Land Urlaub machten und dabei die ländliche Tracht der Mägde für sich entdeckten. Daraufhin erfanden sie das Leiblgwand für sich neu: Plötzlich bekam es mit Grün, Blau und Rot buntere Farben, edlere Stoffe und modische Trachtendessins und -elemente. Dazu wurden Blusen mit Rüschen an den Ärmeln getragen. Schnürmieder wurden Bestandteil vieler Dirndls, und die Schürzen bekamen die berühmte Schleife.

Als dann in den Dreißigerjahren Adlige sowie Bühnen- und Filmstars das Dirndl trugen, bedeutete das den Durchbruch: Das Kleid aus Bayern wurde zum Kassenschlager – und zum romantisch anmutendem Synonym für bayerische Lebensart.

Viele Variationen bei Schnitten und Stoffen

Heute gibt es festliche, lange Dirndl ebenso wie leichtere Modelle, die sich im Sommer auch ohne Bluse ärmelfrei tragen lassen. Praktische Dirndl aus Leinen sind ebenso wie beliebt wie solche aus Seide. Samt ist als Stoff ebenfalls ein Evergreen, wenn es ums Dirndl geht.

Weder beim Preis und noch beim Design gibt es irgendwelche Grenzen oder Regeln, wie man jeden Herbst auf Oktoberfesten in der ganzen Republik beobachten kann. So betrachtet, hat es die Arbeitskleidung der Mägde weit gebracht.

Bildnachweis: Pixabay, 963155, cstekelenburg

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