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UMTS-Netze wird es nicht mehr lange geben

23. Juli 2019 • Panorama

Berlin – In jedem Ende liegt ein neuer Anfang, heißt es. Manchmal ist es aber auch genau umgekehrt – etwa beim neuen 5G-Mobilfunk.

Damit dieser und vor allem das Vorgängernetz LTE (4G) weiter ausgebaut werden können, wollen die Netzbetreiber UMTS (3G) über kurz oder lang abschalten und so die für den Ausbau benötigten Frequenzen freimachen. 2020 könnte es mit den Abschaltungen bereits losgehen.

Lahme Basisversorgung

Die noch älteren 2G-Netze (GSM) sollen als Basisversorgung bestehen bleiben. Sie taugen im Prinzip aber nur zum Telefonieren und SMS schreiben. Mit der bei GSM maximal möglichen Datenübertragungsrate von nicht einmal einem halben Megabit pro Sekunde (Mbit/s) kann man heute kaum noch eine normale Internetseite öffnen. Und das ist schon die Geschwindigkeit im GSM-Datenturbo EDGE, der dieses Prädikat sicher nicht mehr verdient. Denn EDGE ist berüchtigt: Taucht das E oben rechts am Displayrand auf, bedeutet das quälend langsames Surfen.

Durchgängig auf dieses Szenario zurückgeworfen wären theoretisch aber Abermillionen Nutzer, wenn UMTS von jetzt auf gleich abgeschaltet würde. Das legen Zahlen der Bundesnetzagentur nahe: Der Jahresbericht 2018 der Behörde zählt nur 50,5 Millionen aktiv genutzte SIM-Karten, die LTE nutzen. Blieben noch 57 Millionen aktive SIM-Karten, die sich nur in UMTS- und GSM-Netze einbuchen – offenbar weil sie nicht für den deutlich schnelleren Datenfunk LTE freigeschaltet sind. Oder weil das Mobilgerät, in dem sie genutzt werden, nicht LTE-fähig ist.

Neue Tarife selten ohne LTE

Ein Grund zu ernster Sorge? Eher nicht, meint Dennis Romberg, beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Referent für die «Marktwächter Digitale Welt». «Die Zahlen der Bundesnetzagentur sind ja von 2018: Ich glaube so langsam kommen immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher dahin, LTE in ihren Verträgen zu haben.»

Die Gefahr, einen neuen Vertrag nur noch mit UMTS abzuschließen, sei ohnehin nicht mehr besonders groß, sagt Romberg. «So viele Tarife ganz ohne LTE gibt es gar nicht mehr.» Und teils lasse sich LTE auch als Option zum Tarif hinzubuchen.

Einer aktuellen Marktbeobachtung des Vergleichsportals «Check24» zufolge haben sich in jüngster Zeit zudem die Preise der LTE- den verbliebenen UMTS-Tarifen immer weiter angenähert. Auch deshalb geht man beim Vergleichsportal davon aus, dass die Vermarktung reiner UMTS-Tarife bei den meisten Anbietern bald ausläuft.

Beim Vergleich von UMTS und LTE geht es nicht nur um Geschwindigkeit, die bei den meisten günstigeren LTE-Tarifen ohnehin irgendwo zwischen 21,6 und 50 Mbit/s gedeckelt sind. Zum Vergleich: Auch UMTS kann mit seinem Datenturbo HSPA+ auf bis zu 42 Mbit/s kommen. «Die Abdeckung ist ja das Wichtige, und die ist heute schon meist besser als mit UMTS, auch wenn LTE noch nicht überall verfügbar ist», sagt Romberg.

Wann wird UMTS abgeschaltet?

Als voraussichtlichen UMTS-Abschalttermin hat die Telekom etwa den 31. Dezember 2020, Vodafone vage 2020 oder 2021 benannt. Das führt nun beispielsweise dazu, dass reine UMTS-Tarife angeboten werden, in denen schon auf die Abschaltung hingewiesen wird. Ist so etwas legitim? «Grundsätzlich kann alles vereinbart werden», erklärt vzbv-Rechtsreferentin Carola Elbrecht. Es müsse dem Verbraucher aber klar sein, was er da unterschreibt.

Auch das Smartphone kann bei einer UMTS-Abschaltung zum Flaschenhals werden. Auch wenn es nicht viele betreffen dürfte: Wer aktuell noch ein Smartphone hat, das älter als sechs Jahre ist, wird höchstwahrscheinlich kein LTE nutzen können. Auf breiter Front wurde die Technologie erst ab 2013 verbaut – bei Samsungs Galaxy-S-Reihe etwa ab dem S4. Bei Apple begann die LTE-Ära mit dem 2012 gestarteten iPhone 5 etwas früher.

Smartphone und Mobilfunkvertrag prüfen

Wer ohnehin nur telefoniert und SMS schreibt, muss nichts weiter tun. Alle anderen, die ihren «LTE-Status» nicht kennen, sollten ihr Smartphone prüfen und natürlich ihren Tarif. Prepaid-Verträge lassen sich in der Regel täglich oder monatlich kündigen. Aber gerade Laufzeit-Kunden, deren Verträge sich nach den ersten zwei Jahren immer wieder um ein Jahr verlängern, sollten die Chance nutzen, sich einen anderen oder besseren Tarif zu suchen, rät Carola Elbrecht.

Dabei sollte man sich auch von einmaligen Gebühren nicht abschrecken lassen, wenn der Tarif insgesamt günstig ist: «Perspektivisch rechnet sich das für den Verbraucher. Da sollte man sich von einem Bereitstellungsentgelt von 19,95 Euro nicht abschrecken lassen.»

Fotocredits: Christin Klose
(dpa/tmn)

(dpa)

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