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13. Dezember 2011, 16:32 Uhr
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Studie belegt: Kindesmisshandlung verändert die biologische Beschaffenheit des Gehirns

Nicht nur psychische Leiden ruft Kindesmisshandlung hervor, sondern verändert messbar die Struktur des Gehirns. Das haben nun Wissenschaftler der Universtität Münster herausgefunden. Das Angstzentrum weist unter anderem eine erhöhte Aktivität auf, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Biological Psychiatry".

Jahrzehnte nach dem Missbrauch wurde bei den Opfer eine erhöhte Aktivität des Angstzentrums gemessen. Mehrere Gehirnareale waren außerdem kleiner als bei Erwachsenen, die als Kind nicht geschlagen oder sexuell missbraucht wurden. Das meldet das Hamburger Abendblatt am Dienstag. Die Forschungsergebnisse sind bedeutend, wenn es darum geht, den Zusammenhang zwischen Misshandlung und psychischen Erkrankungen im Jugend- oder Erwachsenenalter zu erklären. 

Das Angstzentrum ist stärker aktiviert

Für die Studie wurden 148 psychisch gesunde Probanden einbezogen. Zunächst wurde mit einem Fragebogen ermittelt, ob der Erwachsene als Kind Misshandlungen ausgesetzt war. Dann zeigte man dem Testpersonen Bilder von wütenden oder ängstlichen Gesichtern. Gleichzeitig wurde die Aktivität des Amygdala (Zentrum für Angst im Gehirn) gemessen. Das Ergebnis zeigte, dass bei misshandelten Teilnehmern der Studie das Angstzentrum sehr viel heftiger aktiviert wurde, als bei denjenigen Probanden, die als Kinder keine gewaltsamen Erlebnisse erfahren mussten.

Ängstlichere und schreckhaftere Menschen 

"Dieser Zusammenhang zwischen einem hypersensiblen Mandelkern und Kindesmisshandlung wurde bisher noch nie bei gesunden Menschen nachgewiesen", erklärt Psychiater Udo Dannlowski, der an der Studie mitwirkte. Bisher konnte man diesen Zusammenhang nur bei Ratten, die man früh von den Müttern trennte, und bei misshandelten, bereits depressiv erkrankten Menschen nachweisen. Die Teilnehmer dieser Studie waren also nicht psychisch krank, doch sind durch die Überreaktion viel schreckhafter. "Die Betroffenen fürchten sich schneller, haben einen stärkeren Schreckreflex, haben Angst vor Nähe zu anderen Menschen und sind im Alltag ängstlicher als andere Menschen." Sie führen ein Leben in permanenter Alarmbereitschaft.

Weitere Studie bestätigt die Ergebnisse

Der zweite Versuch zeigte, dass bestimmte Gehirnareale viel kleiner waren, als bei Menschen, die in ihrer Vergangenheit keinen Misshandlungen ausgesetzt waren. Eine amerikanische Studie, die ebenfalls diese Woche im Journal "Archieves of Pediatrics & Adolescent Medicine" publiziert wird, kommt zu dem selben Ergebnis.  Der Hippocampus (Zuständig für das Lernen) sowie der Stirnlappen (kontrolliert das Angstzentrum) waren verkleinert.

Die Betroffenen haben jede Menge Nachteile im Leben

Dannlowski erklärt die folgenschweren Konsequenzen: "Kleinere Gehirnareale bedeuten weniger Zellen und das führt tendenziell zu einer schlechteren Funktion des betroffenen Gebietes". Die Ergebnisse erklären, weshalb viele Menschen, die im Kindesalter misshandelt wurden, im Erwachsenenalter unter psychischen Erkrankungen, wie Depressionen leiden. Auch die Betroffenen ohne psychische Erkrankungen haben viele Nachteile, wie Ängstlichkeit und verkleinerte Gehirnbereiche, die beispielsweise zu einer schlechteren Konzentrionsfähigkeit führen können.   (nas)
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