Peter Löscher hat es in diesen Tagen nicht leicht. Insgesamt will das Unternehmen nach dpa-Informationen 17 150 Jobs streichen, davon etwa zwei Drittel im Rahmen der Einsparungen in Vertrieb und Verwaltung. Offiziell wurden die Zahlen bisher nicht bestätigt. Der Konzern will bis 2010 rund 1,2 Milliarden Euro an Vertriebs- und Verwaltungskosten einsparen und hatte bereits klargemacht, dass dies Arbeitsplätze kosten werde. Wie viele Beschäftigte und welche Standorte davon betroffen sein werden, ließ das Unternehmen aber bisher offen.
In Deutschland wird die Region Franken dem Vernehmen nach am härtesten von den Einschnitten getroffen. In Erlangen sollten 1330 Arbeitsplätze wegfallen und in Nürnberg weitere 540, hieß es. Insgesamt hat Siemens in Franken rund 34 000 Beschäftigte. Zudem sollen in München 900 Jobs gestrichen werden und in Berlin weitere 340. Siemens beschäftigt in Deutschland rund 130 000 Menschen, weltweit sind es 435 000 Beschäftigte. Auch die «Süddeutsche Zeitung» bestätigte den Wegfall von 17 200 Arbeitsplätze weltweit.
Keine betriebsbedingten Kündigungen
Laut «Bild»-Zeitung soll das Abbauprogramm in Deutschland ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat sollten am 7. Juli beginnen, berichtete die Zeitung. Bis Herbst solle der konkrete Abbauplan stehen und die betroffenen Mitarbeiter informiert werden. Ein Siemens-Sprecher wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.
Die Hälfte der Jobs soll laut «Welt» in der Verwaltung von Mobility gestrichen werden. Die Kürzungen betreffen den Informationen des Blattes zufolge vor allem die Fabriken in europäischen Hochlohnländern wie Deutschland.
Siemens-Industrie-Vorstand Heinrich Hiesinger hatte erst vor wenigen Tagen erklärt, man wolle die Probleme in der Verkehrstechnik- Sparte möglichst rasch in den Griff bekommen. Dazu seien auch weitere Produktionsauslagerungen geplant. «Wir brauchen ein gesundes Mischungsverhältnis zwischen eigener Fertigung und Outsourcing», sagte Hiesinger bei einer Veranstaltung in London. Derzeit liefen die Verhandlungen mit deutschen Arbeitnehmervertretern. Die Sparte leidet vor allem unter den Problemen mit der fehlkonstruierten Straßenbahn Combino.
Vorerst keine konkreten Zahlen
Siemens-Chef Peter Löscher nannte in einem am Freitag bekanntgewordenen Brief an die Mitarbeiter keine konkreten Zahlen zu dem geplanten Stellenabbau. Er betonte in dem Schreiben aber: «Wir möchten schnell Klarheit schaffen, einen fairen Interessenausgleich für die betroffenen Mitarbeiter aushandeln, soziale Härten vermeiden und möglichst auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten.» Zugleich verteidigte Löscher die drastischen Einschnitte. Auch Siemens werde die gestiegenen Risiken der Weltwirtschaft in den kommenden Monaten zunehmend zu spüren bekommen und müsse daher wettbewerbsfähiger werden.
Am 7. Juli werde der Wirtschaftsausschuss, also das Gremium aus Vertretern der Arbeitnehmerseite und der Unternehmensleitung, über die Maßnahmen beraten, erklärte Löscher. Zur Vorbereitung auf die Sitzung seien dem Ausschuss am Freitag Unterlagen übermittelt worden. Zu den Milliarden-Einsparungen in Vertrieb und Verwaltung sollten Kostensenkungen bei externen Beratern und in der IT «erheblich» beitragen. «Ein weiterer wesentlicher Beitrag muss aber auch aus einer Verschlankung der Zentralen und Verwaltungsfunktionen kommen - und zwar in der Konzernzentrale genauso wie in den Sektoren und auf der regionalen Ebene», erklärte Löscher. (dpa) (mat)


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