Luxemburg-Touristen bald auf virtueller Zeitreise unterwegs

Im modernen Sightseeing-Bus durch eine Stadt wie vor 150 Jahren fahren? Und vergleichen, wie es damals aussah und heute aussieht? Dank virtueller Realität geht das. Im Bus trägt man dann während der Zeitreise eine Spezial-Brille.

Luxemburg/Kaiserslautern (dpa/lrs) – In Luxemburg kann die Stadtrundfahrt im Touristenbus schon bald zu einer Zeitreise durch die Geschichte der Hauptstadt des Großherzogtums werden. Dank einer Virtual-Reality-Brille sehen Reisende dann, wie die Straßen und Häuser außerhalb des Busses im Jahr 1867 aussahen. Das von der in Kaiserslautern und Luxemburg ansässigen Digital Devotion Group (DDG) entwickelte Projekt «VR Timetravel» wird derzeit in Luxemburg erprobt.

Mit dem Aufsetzen der Brille verwandelt sich der Bus in ein Pferdefuhrwerk, dessen Kutscher man über die Schulter schauen kann – Hufgetrappel eingeschlossen. Der Blick des Buspassagiers in die virtuelle Vergangenheit ist stets von der tatsächlichen Position in der Wirklichkeit abhängig. «Man könnte sich in Rom das Kolosseum vor 2000 Jahren anschauen und dann aussteigen und die heutigen Mauern anfassen», sagt DDG-Chef Alexander Fridhi.

«Unsere Grundidee ist, dass man durch verschiedene Zeitepochen springen kann. Und natürlich würde das nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Zukunft funktionieren.» Technisch sei es beispielsweise auch kein Problem, für virtuelles Sightseeing in Berlin die Mauer wieder aufzubauen.  

2018 sollen Touristen Luxemburg durch die VR-Brille sehen können. Bürgermeisterin Lydie Polfer sagte, dank Virtual Reality habe man «mehrere innovative Projekte verwirklichen und unserer Vision einer «Smart City» erheblich näher kommen» können. Mit der DDG, die sich «auf die Charakteristika unserer Stadt eingestellt» habe, plane man «weitere gemeinsame Projekte». Interesse gibt es laut Fridhi unter anderem auch in Stuttgart, Dubai, Katar, Boston und New Orleans: «Es wird insgesamt wohl sehr international werden.»

Luxemburg unternehme große Anstrengungen, zu einem innovativen und für Start-up-Unternehmen freundlichen Land zu werden. Das Großherzogtum nutze sein Geld, um sich zu modernisieren. Es gebe dort für junge Unternehmen «eine ganz andere Förderkulisse» als in Deutschland. Deswegen habe man auch einen Firmensitz in Luxemburg-Stadt.

Außer dem «Zeitreise»-Projekt gehört auch eine von DDG entwickelte neue Smartphone-App namens VdL-AR zum «Smart City»-Programm Luxemburgs. Die App überblendet Gebäude, vor denen der Besucher steht, passgenau mit Bildern oder Filmen aus der Vergangenheit. Und wer die nächste Bushaltestelle fotografiert, erfährt ohne weiteres Tippen, wann und wohin der nächste Bus fährt.

(dpa)