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17. August 2010, 15:03 Uhr
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Studie

Land mit Aussicht: Perspektive Oldenburger Münsterland

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung widmet sich Fragen und Folgen des demografischen Wandels. In einer aktuellen Studie stellt das Institut das Oldenburger Münsterland vor, welches, entgegen dem Trend, Zuwächse bei der Bevölkerungs- und Beschäftigungsentwicklung verzeichnet.
Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung untersucht weltweit demografische Veränderungen. Bereitet wissenschaftliche Erkenntnisse öffentlichkeitswirksam auf und ist darauf bedacht eine nachhaltige Sensibilität für das Thema zu generieren. Das  Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung erarbeitet Lösungskonzepte für die Bewältigung von Problemen die in direktem demografischen Zusammenhang stehen. Nach eigener Aussage stehen dabei familien-, integrations- und bildungspolitische Fragen im Vordergrund.

In Deutschland, wie in vielen anderen Industriestaaten, ist seit geraumer Zeit ein Alterungsprozess der Bevölkerung sowie ein Geburtenrückgang zu beobachten. Eine problematische Kombination für die angestrebte nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung eines Staates. Die Studie "Land mit Aussicht" skizziert einen Kreislauf aus niedriger Geburtenrate, Abwanderung einer vor allem junger und gut ausgebildeter Bevölkerung, einer daraus resultierenden beschleunigten Alterung der Gesellschaft. Ist dieser Prozess einmal in Gang gesetzt fällt es insbesondere der Wirtschaft schwer Investitionen und Arbeitsplätze bereitzustellen, die Arbeitslosigkeit und Abwanderung steigen. Demzufolge sinkt die Attraktivität der Gemeinde und dieselbe befindet sich in einem Abwärtsstrudel, der nur schwer aufzuhalten ist.

"Land mit Aussicht": Cloppenburg und Vechta, die vorzeige Kommunen

In der Studie "Land mit Aussicht" stellt das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung eine Region in Deutschland vor, die sich erfolgreich gegen den Trend entwickelt. Das Oldenburger Münsterland im westlichen Niedersachsen mit den beiden Landkreisen Cloppenburg und Vechta weist Modellcharakter auf. Geburtenraten und Wirtschaftswachstum sind in Deutschland einmalig und liegen deutlich über dem nationalen Durchschnitt.

Die Geburtenrate in Cloppenburg beträgt 1,74 Kinder pro Frau. In Vechta sind es 1,57 Kinder. Der Bundesdurchschnitt liegt gerade einmal bei 1,37 Kindern pro Frau. Die Bevölkerung des Münsterlandes ist seit 1995 um zwölf Prozent gewachsen (Deutschland nur um 0,5 Prozent) und deutlich jünger als im Bundesmittel. Ebenso beeindruckend sind die Zahlen des Wirtschaftswachstums. Die Zahlen der Erwerbstätigen stieg seit 1994 um 26 Prozent, im Bundesdurchschnitt waren es knapp vier Prozent. Als besonders prägnant erweist sich, dass die Arbeitslosigkeit in den beiden Gemeinden drei Prozentpunkte unter dem Bundesmittel liegt, während das Wirtschaftswachstum dreimal zu hoch ist wie der Bundesdurchschnitt. Angesichts der genannten Zahlen, stellt sich die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis von Cloppenburg und Vechta.

Erfolgsgeheimnis geschlossene Wertschöpfungskette

Die Suche nachdem wirtschaftlichen und demografischen Erfolg des Oldenburger Münsterlandes wirft einen Blick auf die geschichtliche Entwicklung der Region und stellt zunächst eine prekäre Situation aus Isolation und Brache fest. Cloppenburg und Vechta waren religiös und somit auch politisch als katholische Region von ihrem protestantischen Umfeld abgesondert. Dass verband die ansässigen Familien und sozialen Netzwerke aufs Engste miteinander. Hinzu kam eine überwiegend durch Moore geprägt Landschaft, die wirtschaftlich kaum zu nutzen war. Die Entwicklung von einer Agrar- zu einer modernen Gesellschaft erfolgte im Verhältnis zum Umland relativ spät.

Aber die auf engen und kleinräumigen sozialen und wirtschaftlichen Verbindungen und Netzwerke aufbauenden Familienbetriebe der Region haben über Jahrzehnte hinweg einen soliden und äusserst erfolgreichen sowie innovativen Mittelstand hervorgebracht, der in seiner besonderen Eigenschaft eine geschlossene Wertschöpfungskette aufweist. Die Landwirtschaft ist der Wirtschaftsmotor der Region, jedoch nicht in der Primarproduktion, sondern in der Zulieferung. Diese reicht von der Futtermittelproduktion, der Viehzucht, Schlachthöfe, Fleischverarbeitung, Maschinenbau, Verpackungsindustrie über Düngemittelhersteller hinzu Pharmaunternehmen und dem dazugehörigen Dienstleistungssektoren. Das Oldenburger Münsterland hat sich anerkennend den Beinamen "Silicon Valley der Argrartechnologie" erworben.

Übertragbarkeit auf andere Gemeinden

"Land mit Aussicht" schlussfolgert, dass sich die besten Chancen für eine demografisch sowie wirtschaftliche Nachhaltigkeit in Gebieten mit besonderen endogenen Potenzialen ergeben. Als Beispiele führt das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung attraktive Naturräume mit touristischen Reizen, eine geschlossene Wertschöpfungskette in der Landwirtschaft oder neue und innovative Wirtschaftszweige, die nicht auf die unmittelbare Nähe zu einer Metropolregion angewiesen sind, an. Gleichzeitig bedarf es engagierter Bürger, die sich für ihre Region einsetzen. Menschen die wirtschaftliche und soziale Belange miteinander verknüpfen und Potentiale erkennen und fördern. (bpc / Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung )
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