Kicken im Schatten der Krise: Asien-Meisterschaft beginnt

Abu Dhabi – Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) Gastgeber eines internationalen Fußball-Turniers.

Nach der Club-WM treffen sich von Samstag an Asiens beste Nationalteams in der Wüste am Golf, um ihren Meister auszuspielen. Das Turnier ist nicht nur sportlich von Bedeutung.

DAS TURNIER: An dem um acht Mannschaften aufgestockten Wettbewerb nehmen erstmals 24 Teams teil. Diese ermitteln zunächst in sechs Vorrundengruppen, danach in einer K.-o.-Runde ihren Meister. Gespielt wird in acht Stadien in Abu Dhabi, Dubai, Al-Ain und Schardschah. Zum Auftakt trifft am Samstag Gastgeber VAE auf den Nachbarn und Außenseiter Bahrain. Das Finale steigt am 1. Februar in Abu Dhabi.

DIE FAVORITEN: Ganz oben auf der Liste steht Titelverteidiger Australien, dessen Kader mit vielen Profis aus Europas Ligen besetzt ist. Aber auch die traditionell starken Mannschaften aus Japan, Südkorea und dem Iran stehen hoch im Kurs. Saudi-Arabien rechnet sich trotz des enttäuschenden Abschneidens bei der WM in Russland zumindest Außenseiterchancen aus. Gastgeber VAE hofft auf eine Überraschung. Für eine solche könnten auch der Irak, Syrien und Katar gut sein.

BUNDESLIGA-SPIELER: Deutschlands höchste Spielklassen sind in den Emiraten nur schwach vertreten. Die meisten Spieler aus der 1. und 2. Bundesliga stehen im Kader Südkoreas, fünf insgesamt: Dong-won Ji und Ja-Cheol Koo (beide FC Augsburg), Hee-Chan Hwang (Hamburger SV), Jae-Sung Lee (Holstein Kiel) und Chung-Yong Lee (VfL Bochum). Australien hat Mathew Leckie (Hertha BSC) und Robbie Kruse (VfL Bochum) nominiert, Japan Yuya Osako (Werder Bremen) und Genki Haraguchi (Hannover 96). Für die Philippinen spielt John-Patrick Strauß von Erzgebirge Aue. Für Kirgistan läuft zudem Vitalij Lux vom Regionalligisten SSV Ulm auf.

DEUTSCHE TEILNEHMER: Einen besonders prominenten Namen bietet Syrien auf. Die Nationalelf des Bürgerkriegslandes wird seit rund einem Jahr vom früheren DDR-Auswahlcoach Bernd Stange (70) trainiert. Die Philippinen wiederum machten sich vor einigen Jahren weltweit auf die Suche nach Spielern mit philippinischen Wurzeln. Im Kader stehen nun mehrere Spieler, die in Deutschland geboren wurden, aber einen philippinischen Elternteil haben. Neben Aues John-Patrick Strauß sind das Stephan Schröck (früher Greuther Fürth), Kevin Ingreso (früher HSV), die Brüder Mike (früher 1860 München/1. FC Nürnberg) und Manuel Ott (früher 1860/1. FC Ingolstadt) und Patrick Reichelt (früher Cottbus). Sie alle sind heute für das philippinische Team FC Ceres Negros aktiv.

INTERNATIONALE STARS: Die ganz großen Namen fehlen. Top-Star ist Südkoreas früherer HSV-Profi Heung-Min Son, der jetzt für die Tottenham Hotspurs spielt. Dortmunds Shinji Kagawa wurde hingegen nicht für Japan nominiert, Frankfurts Makoto Hasebe trat nach der WM aus der Nationalelf zurück. Die prominentesten Akteure stehen an der Seitenlinie: Der Schwede Sven-Göran Eriksson trainiert die Philippinen, Italiens Weltmeister-Coach Marcello Lippi China.

POLITISCHE BRISANZ: Gemeinsam mit Saudi-Arabien und Bahrain hat der Gastgeber VAE im Sommer 2017 eine Blockade über das benachbarte Emirat Katar verhängt – die politische Lage am Golf gleicht seitdem einem kalten Krieg, eine Annäherung ist nicht zu erkennen. Pikanterweise treffen Saudi-Arabien und Katar am 17. Januar in der Vorrunde aufeinander. In der K.-o-Runde könnte das sunnitische Saudi-Arabien auch auf seinen Erzrivalen treffen, den schiitischen Iran.

WM-GASTGEBER KATAR: Für das Golf-Emirat beginnt mit der Asien-Meisterschaft der Countdown für die WM 2022 im eigenen Land. Das Team spielte bisher auf internationaler Bühne keine Rolle, will aber in vier Jahren ein wettbewerbsfähiges Team aufbieten, um sich vor eigenem Publikum nicht zu blamieren. Der spanische Trainer Felix Sanchez setzt auf eine Verjüngung. Einige Resultate machen dem Team Mut: So schlug Katar die Schweiz in einem Freundschaftsspiel mit 1:0. Im Sommer tritt das Emirat auch als Gast bei der Copa América an.

KRISENLÄNDER: Mit Syrien und dem Jemen sind auch Bürgerkriegsländer beim Turnier dabei. An einen normalen Spielbetrieb ist dort derzeit nicht zu denken. Im Jemen etwa ist die nationale Meisterschaft seit mehr als drei Jahren ausgesetzt, das Team bereitete sich in Malaysia auf das Turnier vor. Syrien sorgte trotz der Krise im Land bei der WM-Qualifikation für Schlagzeilen. Das Turnier in Russland verpasste das Team nur knapp. Iraks Fußball hat unter dem Kampf gegen die IS-Terrormiliz stark gelitten.


(dpa)

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