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4. August 2010, 10:01 Uhr
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Arbeitsmarkt

Fachkräftemangel: Einwanderung umstritten

In der Debatte über eine mögliche Anwerbung ausländischer Fachkräfte hat CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach zur Versachlichung der Diskussion aufgefordert. Er fordert den Vorrang der Aus- und Weiterbildung von inländischen Arbeitskräften.
Wolfgang Bosbach (CDU) fordert mehr Ausbildung statt Einwanderung.
Wolfgang Bosbach (CDU) fordert mehr Ausbildung statt Einwanderung.
Quelle: ddp
Die Debatte um den bestehenden Fachkräftemangel in Deutschland gewinnt so langsam an Fahrt, hängt sich jedoch an einer einzigen Frage auf. Braucht der deutsche Arbeitsmarkt mehr Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland, oder nicht? Wolfgang Bosbach (CDU) rief nun alle Diskutanten zur Versachlichung der Debatte auf.

Bosbach: Aus- und Weiterbildung inländischer Arbeitskräfte

"Anders als es die aktuelle Debatte glauben macht, haben wir bereits sehr grosszügige Regelungen für die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte", deshalb sei es "höchste Zeit, die Fakten zur Kenntnis zu nehmen", sagte Bosbach der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Zahlen der Arbeitsverwaltung belegen nach Bosbach eindeutig, dass z.B. im Jahr 2009, lediglich drei Prozent der Einwanderungswilligen Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten abgewisen wurden.

Für Bosbach scheint damit klar zu sein, Deutschland lasse genügend ausländische Fachkräfte einwandern, eine Änderung im Ausländerrecht sei für ihn nicht notwendig.  "Die Aus- und Weiterbildung inländischer Arbeitnehmer muss Vorrang haben", so Bosbach. Ganz anders sieht die Situation Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt.

Hundt: Gezielte Zuwanderung nach Punktesystem

Hundt fordert ein Gesamtkonzept für eine gezielte, arbeitsmarktorientierte Zuwanderung. Gegenüber den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" sprach er sich für ein Punktesystem aus, das die Bewertung der Zuwandererbewerber ermögliche. Kriterien sollten persönlichen Qualifikationen wie Ausbildung, Berufserfahrung und Sprachkenntnissen sein, so Hundt. Obwohl sich genau dies bürokratisch anhört, will Hundt, ein flexibles und unbürokratisches System.

Dieter Hundt sagte, eine solche dringend benötigte Zuwanderungspolitik erhöhe die wirtschaftliche Dynamik und führe deshalb auch zu mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für Einheimische. Der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks sagte dem «Handelsblatt Online»: "Durch Fachkräftemangel besteht die Gefahr, dass wir langfristig Wachstums- und Innovationspotenziale verlieren und damit letztlich auch Wohlstand und Chancen".

Schröder: Vollbeschäftigung für Frauen, Migranten und Ältere

Eine weitere Absenkung der Einkommensschwelle für Hochqualifizierte von zurzeit 66.000 Euro, sei laut Dercks ein erster Schritt in die richtige Richtung. Bundesfamilienministerin Krisina Schröder sagte der "Rheinischen Post", nur wenn mehr Frauen möglichst Vollzeit beschäftigt werden sowie mehr Migranten und ältere Beschäftigte eingestellt würden, könne der Fachkräftemangel abgefedert werden. (kat / dpa)
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Ein Kommentar
  1. Robby schreibt:
    8. August 2010, 11:54 Uhr

    Einwanderung wäre doch eine tolle Lösung: Man muß sich kein Kopf um unser marodes Schulsystem machen man spart sich die Kosten für eine qualifizierte Ausbildung Einheimischer. Aber trotzdem sollte man sich nicht wundern, wenn die vielen, vielen Ausländer ausbleiben. Nicht, weil Deutschland ein Billiglohnland ist oder weil es bisher qualifizierte Ausländer nur zum Tellerwäscher geschafft haben. Für den Herrn Hundt wäre es wahrscheinlich ein Segen, wenn für jeden Posten genügend Kräfte da sind und man diese Jobs möglichst billig abgeben kann. Letztendlich will er damit mehr “Beschäftigungsmöglichkeiten für Einheimische” - aber wohl auch zum entsprechenden Hungerlohn.
    Viele Millionen Deutsche müssen von Hartz4 leben und haben somit kein Recht auf gesellschaftliches Leben. Es gibt darunter mit Sicherheit genügend fähige Leute, die mit entsprechender Ausbildung einem Fachkräftemangel vorbeugen könnten. Und was ist so schwierig, einen 45jährigen Langzeitarbeitslosen mit entsprechender Bereitschaft vernünftig auszubilden?
    Ich finde, unsere Schulsystem bedarf einer äußerst dringenden Reform und Studienplätze sollten zukünftig stärker nach Qualifikation und Bedarf verteilt werden.

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