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Djokovic hofft auf den Federer-Effekt

28. Dezember 2017 • Tennis

Abu Dhabi (dpa) – Novak Djokovic setzt auf einen Effekt wie bei Roger Federer. Für ein halbes Jahr nahm sich die ehemalige Nummer eins eine Tennis-Auszeit, seine Ellbogen-Verletzung wollte der frühere Schützling von Boris Becker vollständig auskurieren.

Mit frischem Elan, aber auch umgeben von Zweifeln kehrt er nun zurück. Der Vergleich mit dem Schweizer kommt da zwangsläufig auf: Kann Djokovic Ähnliches gelingen wie Federer? Wird der 30-Jährige wieder an seine Topform herankommen, wird er ein ernsthafter Konkurrent und Kandidat für weitere Grand-Slam-Titel? Oder sind seine besten Zeiten vorbei?

«Man hat gesehen, was Roger letzte Saison nach einer ähnlich langen Abwesenheit geleistet hat, wie er zurückgekommen ist und fast wieder die Nummer eins geworden wäre», sagte Djokovic in einem Interview der englischsprachigen Online-Plattform Sport360.

An diesem Freitag gibt Djokovic beim Einladungsturnier in Abu Dhabi sein Comeback. Es ist ein erster Schritt zur Rückkehr in den Tennis-Alltag. Noch kein richtiger Gradmesser, weil es nicht um Weltranglistenpunkte geht, aber ein Formcheck. Federer war der Tour im zweiten Halbjahr 2016 sechs Monate ferngeblieben, ehe er phänomenal zurückkam und auf Anhieb die Australian Open gewann.

«Federer kann man mit niemandem vergleichen», warnte Becker im Interview des «Tennismagazins». Der sechs Jahre jüngere Djokovic habe ein anderes Spiel als Federer, er sei ein anderer Typ. «Federer ist nicht von unserem Planeten.»

Erst bei den Australian Open, die am 15. Januar beginnen, werden sich Fragen um Djokovic und die Herren-Szene im Allgemeinen womöglich beantworten lassen. Auch die Comebacks der zuletzt verletzten Topstars Rafael Nadal, Stan Wawrinka und Andy Murray werden in Melbourne erwartet. Der auf Weltranglistenplatz 12 abgerutschte Djokovic trifft bei den Mubadala World Tennis Championship auf den Sieger der Partie zwischen Roberto Bautista Agut und Andrej Rublew.

Es wird seine erste Partie abseits der Trainingsplätze seit der verletzungsbedingten Viertelfinal-Aufgabe gegen Tomas Berdych in Wimbledon sein. Monatelang hatte Djokovic seit Mitte Juli kein Tennis gespielt. Er arbeitete an seiner Fitness und widmete sich seiner Familie, im Spätsommer war er ein zweites Mal Vater geworden.

«Ich hatte die Gelegenheit, erstmals seit ich professionell Tennis spiele, so viel Zeit zu haben, um mich mental, physisch, emotional zu entspannen», sagte Djokovic. Vor vier Wochen hatte er seinen Tennis-Kumpel Radek Stepanek als neuen Wegbegleiter neben Andre Agassi vorgestellt. Becker hält Agassi für eine gute Wahl.

«Hat Agassi Potenzial als Coach? Ja. War er die Nummer eins? Ja. Ist er Grand-Slam-Sieger? Ja. Hat er den Charakter, Djokovic die Wahrheit zu sagen? Ja. Ist er finanziell abhängig? Nein. Das sind gute Faktoren für einen Trainer, um mit einem Superstar zu arbeiten», argumentierte der 50-Jährige. «Jetzt geht es um Novaks Körper. Ist er wieder kerngesund? Kann er sich wieder der Tortur eines Tennisprofis aussetzen?»

Mit Becker an seiner Seite feierte Djokovic den Höhepunkt seiner Tennis-Karriere, als er bei den French Open 2016 triumphierte. Der zwölfmalige Major-Sieger schien damals unantastbar. Der Triumph jedoch war der Beginn einer sportlichen Talfahrt und sein bislang letzter großer Erfolg. Dass man jedoch niemanden vorzeitig abschreiben sollte, hat Federer längst eindrucksvoll bewiesen.

Fotocredits: Alastair Grant

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