Die «Hanseatic nature» sticht in See

Hamburg – Bei bestem Hamburger Schietwetter hat Hapag-Lloyd Cruises sein neues Kreuzfahrtschiff «Hanseatic nature» vorgestellt. Es ist das erste von drei Expeditionsschiffen einer komplett neuen Baureihe, die bis zum Jahr 2021 zur Flotte stoßen sollen.

Zwei Auftaktreisen mussten ausfallen, weil der Neubau etwas später fertig wurde als geplant. Als Prototyp sei der Bau der «Hanseatic nature» eine Herausforderung für alle gewesen, sagte Karl J. Pojer, Geschäftsführer von Hapag-Lloyd Cruises.

Luxusschiff für entlegene Regionen

Das Schiff der Luxusklasse wird in Regionen fahren, die lange Zeit nur etwas für raubeinige Forscher und Entdecker waren. Fahrten auf dem Amazonas mit bis zu 40 Grad Lufttemperatur sollen ebenso wenig ein Problem sein wie Erkundungen der Polarregionen bei bis zu minus 25 Grad. Dafür ist das Schiff mit der aktuell höchsten Eisklasse für Passagierschiffe PC6 ausgestattet. Eine Infrarotkamera im Mast soll bei schlechter Sicht für zusätzlichen Schutz vor Eisbergen sorgen.

Maximal 230 Passagiere finden auf der «Hanseatic nature» in 120 Außenkabinen und Suiten Platz. Auf Reisen in die Antarktis und nach Spitzbergen kommen maximal 199 Gäste an Bord. Denn dort dürfen wegen gesetzlicher Vorgaben höchstens 100 Touristen gleichzeitig an Land gehen. Der Großteil der Kabinen hat einen Balkon oder zumindest die französische Variante.

Den meisten Platz bietet die Grand Suite mit 71 Quadratmetern. Die kleinste Kabine hat 21 Quadratmeter. Zum Vergleich: Eine Innenkabine für zwei Personen auf der «AidaNova» beginnt bei 13 Quadratmetern.

Exklusive Küche, Fitness- und Spabereich

Gastronomisch hat die «Hanseatic nature» aufgerüstet gegenüber der «Bremen», die 2021 die Hapag-Lloyd-Flotte verlassen wird. Ein zusätzliches Spezialitätenrestaurant mit nordamerikanischer Küche, das wie die anderen zwei Restaurants im Preis inklusive ist, soll die kulinarische Vielfalt auf den Expeditionsreisen erhöhen.

Die «Hanseatic nature» wird aber nicht nur als Expeditionsschiff, sondern auch als Luxusschiff auf Fünf-Sterne-Niveau vermarktet; die «Bremen» hat Vier-Sterne-Niveau. Das Innendesign des Neubaus ist meist in warmen Erdtönen oder im Blau des Meeres gehalten.

Weil Seetage lang sein können, stehen Passagieren ein Fitnessbereich und ein weitläufiges Spa zur Verfügung. Im Vordergrund steht aber das Naturerlebnis: Mit 17 teils elektrisch angetriebenen Zodiacs sollen die Reisenden den Sehenswürdigkeiten so nah wie möglich kommen.

Vorträge und Informationsmöglichkeiten über die Expeditionsziele

An Bord können die Gäste durch Vorträge von Experten im sogenannten HanseAtrium oder durch Selbststudium in der «Ocean Academy» mehr über die Expeditionsziele erfahren. Durch LED-Technik in den Wänden und an der Decke des «HanseAtriums» wird das Wissen für die Gäste erlebbar, wenn beispielsweise digitale Wale über ihnen entlang schwimmen.

Hapag-Lloyd verzichtet bei der «Hanseatic nature» auf Spielereien wie Hubschrauber oder U-Boote an Bord. Ein Erlebnis soll dagegen der «Nature Walk» sein, der Zugang zum Bug des Schiffes ermöglicht – dort können Gäste zum Beispiel die ersten sein, die Eisbären erspähen. Gute Aussicht bieten auch zwei ausfahrbare, gläserne Balkone.

Verschmutzung der Meere ist Thema

Ein Hubschrauber würde wohl auch nicht zum Nachhaltigkeitskonzept der Reederei passen. Vom Juli 2020 an will Hapag-Lloyd Cruises auf allen Expeditionsrouten nur noch mit dem schadstoffärmeren Marine Gasöl fahren. In besonders sensiblen Regionen wie der Antarktis ist das Fahren mit Schweröl ohnehin bereits seit vielen Jahren verboten.

Auf Flüssiggas (LNG) als Treibstoff wolle die Reederei bei ihren Expeditionsschiffen künftig aber nicht setzen, erklärte Henning Brauer, Projektleiter Neubauten. Dafür seien die Expeditionsrouten zu abgelegen und LNG-Bunkerstationen nicht ausreichend verfügbar.

Ein moderner Stickoxidfilter filtert die Abgase. Alle Neubauten verfügen zudem über einen Landstromanschluss, der bei der «Hanseatic nature» im Hamburger Hafen bereits zum Einsatz gekommen ist.

Dass die Kreuzfahrtbranche sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinadersetzt, merkt man auch an Bord der «Hanseatic nature». Kunstinstallationen machen zum Beispiel auf die Verschmutzung der Meere aufmerksam. Auf dem Weg zur Observation Lounge läuft man an einer mit leeren Plastikflaschen beklebten Wand entlang.

Man nehme die Verantwortung ernst, die bereisten Destinationen zu schützen und nicht zu belasten, sagte Pojer. Bei den Urlaubern soll ein Bewusstsein geschaffen werden, das zu bewahren und zu schützen, was man selbst erleben durfte. Im Oktober 2018 hatte die Reederei allerdings auch für Schlagzeilen gesorgt, als bei einem Landausflug auf der Insel Spitzbergen ein Eisbär aus Notwehr erschossen werden musste. Das Tier hatte ein Crew-Mitglied angegriffen und verletzt.

Preise, Routen und Schwesternschiffe

Die Neubauten von Hapag-Lloyd Cruises bedienen einen boomenden Markt. Auch andere Reedereien bauen weitere Expeditionsschiffe. Eine Reise auf der «Hanseatic nature» ist zugleich nichts für eine kleinen Geldbeutel. Eine 15-tägige Antarktis-Kreuzfahrt mit An- und Abreise steht ab 12 990 Euro im Katalog. Man sei mit der Buchungssituation sehr zufrieden, so Pojer. Einen großen Anteil machten Neukunden aus.

Auf ihrer Premierenfahrt führt Kapitän Thilo Natke die «Hanseatic nature» über Schottland nach Norwegen. Anschließend liegt der Schwerpunkt auf den Polarregionen und anderen fernen Zielen wie der Südsee. Auf einem Schiff, das halbe Erdumrundungen absolviert, werde eine Reise zu den portugiesischen Azoren oder auf die Kapverden im Atlantik schnell mal zu einem Trip «vor der Haustür», wie Isolde Susset, Leiterin Expeditionen bei Hapag-Lloyd Cruises, sagte.

Im Herbst 2019 soll das Schwesternschiff «Hanseatic inspiration» die Flotte ergänzen, 2021 soll die ebenfalls baugleiche «Hanseatic spirit» folgen. Dann wird sich Hapag-Lloyd Cruises endgültig von der «Bremen» verabschieden. Das 1993 in Dienst gestellte Schiff ist schon verkauft und wird dann nicht mehr für den deutschen Markt im Einsatz sein. Einige Stammgäste dürften das nostalgische Schiff vermissen.


(dpa/tmn)

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