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Demografischer Wandel und Abwanderung: Herausforderungen für die Wirtschaft in Niedersachsen

3. Juni 2015 • Wirtschaft

In 20 Jahren fehlen eine halbe Million Fachkräfte in Niedersachsen – zumindest dann, wenn nichts gegen den demografischen Wandel unternommen wird. So lautet die Prognose von Susanne Schmitt, Chefin des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertages (NIHK). Gegen die Abwanderung der Bevölkerung aus ländlichen Gebieten muss etwas getan werden, damit die Wirtschaft stabil bleibt.

Prognosen der Abwanderung

Die Bevölkerung aus kleineren Landkreisen in Niedersachsen verschiebt sich in die großen Städte der Region. Schätzungen zufolge wandert bis 2035 jeder dritte Einwohner (das sind etwa 400.000 Menschen) aus ländlichen Gebieten ab, während die Großstädte ein Bevölkerungswachstum von teilweise mehr als zehn Prozent erwartet. Dadurch entstehe Experten zufolge ein Teufelskreis für die Wirtschaft, der unbedingt aufgehalten werden muss.

Die Zahlen basieren auf einer Prognose der NBank und sind nicht als gesichert anzusehen. Gesichert scheint jedoch, dass es eine Entvölkerung geben wird und diese zulasten der kleinen Ortschaften ausfällt. Das Land Niedersachsen ist sich dessen bewusst und beschäftigt sich zurzeit damit, eine offizielle Vorausberechnung für die Bevölkerungszahlen zu erstellen. Als Basis dienen die Statistiken der Bundesrepublik.

Die Geburtenrate in Niedersachsen macht dabei nur wenig Hoffnung: Derzeit sterben in dem Bundesland erheblich mehr Menschen als dass welche geboren werden. Auch die momentan sehr hohe Zuwanderungsquote kann dagegen langfristig nicht standhalten: 2019 soll sie ihren Höhepunkt erreichen.

Der Mittelstand in Niedersachsen

Spätestens dann muss etwas gegen den demografischen Wandel unternommen werden, gerade um mittelständische Unternehmen vor dem Fachkräftemangel zu schützen. Das mittelständische Familienunternehmen Schwarz Cranz beispielsweise besteht mittlerweile in sechster Generation. Der Fleischwarenhersteller gehört der Familie Schwarz aus Cranz bei Hamburg und hat seinen Sitz mittlerweile in Neu Wulmstorf. Das Familienerbe soll weiter fortgeführt werden. Auch bekanntere Unternehmen aus Niedersachsen wie Volkswagen in Wolfsburg oder sogenannte Hidden Champions wie Sennheiser aus Wedemark könnten unter dem demografischen Mangel leiden.

Ansätze zur Lösung des Problems

Der NIHK-Chefin Schmitt zufolge sei die Rente mit 67 ein Fortschritt, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, die mögliche abschlagsfreie Rente mit 63 jedoch ein Rückschritt. Die derzeitige Lücke zwischen Männern und Frauen in der Erwerbstätigkeit berge viel Potenzial: Um bis zu 40 Prozent könnte die Personenerwerbslücke aufgestockt werden, wenn mehr Gleichberechtigung herrschen würde. Junge Menschen in Norddeutschland für Ausbildungsberufe zu begeistern, könnte ebenfalls helfen.

Wie sich die Bevölkerung in Niedersachsen genau entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Fest steht allerdings, dass Politik und Wirtschaft etwas gegen den drohenden Fachkräftemangel unternehmen müssen, damit vor allem mittelständische Unternehmen wie Schwarz Cranz und Sennheiser aber auch Konzerne wie VW weiter bestehen bleiben. Nur so kann die Wirtschaft in Niedersachsen auch noch in 20 Jahren und trotz veränderter Alterspyramide und Abwanderungen in Großstädte florieren.


IMG: Thinkstock, iStock, chelovek

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