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Das Unwort des Jahres 2013 lautet „Sozialtourismus“

14. Januar 2014 • Deutschland, Kultur

Die Jury der Aktion „Unwort des Jahres“ hat für das Jahr 2013 den Begriff „Sozialtourismus“ zum unrühmlichen Sieger gekürt. Weitere Begriffe, die unter den Vorschlagseinsendungen besonders häufig auftauchten, waren „Supergrundrecht“, „Homo-Ehe“, „Ausschließeritis“ und „Armutszuwanderung/-einwanderung“.
Die Jury der Aktion setzt sich aus den Sprachwissenschaftlern Prof. Dr. Nina Janich (TU Darmstadt), Privatdozent Dr. Kersten Sven Roth (Universität Zürich), Prof. Dr. Jürgen Schiewe (Universität Greifswald) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Universität Trier) sowie dem Autor und Journalisten Stephan Hebel und dem Schriftsteller Ingo Schulze. In der Begründung sagte die Jury, dass mit dem von Politikern und Medien verwendeten Begriff „Sozialtourismus“ gezielt Stimmung gegen Zuwanderer, insbesondere aus Osteuropa, gemacht würde. „Tourismus“ würde eine dem Vergnügen und der Erholung dienende Reise bezeichnen, die in Verbindung mit dem Bestimmungswort „Sozial“ die damit gemeinte Zuwanderung auf das Ziel, vom deutschen Sozialsystem zu profitieren, reduzieren würde. Das erzeuge eine Diskriminierung von Menschen, die aus Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchten, da es ihr prinzipielles Recht als EU-Bürger verschleiere.

Das persönliche Unwort des Jahres

Erstmals hatte in diesem Jahr das jährlich wechselnde Gastmitglied der Jury die Möglichkeit, sein „Persönliches Unwort des Jahres“ zu benennen. Der Schriftsteller Ingo Schulze („Adam und Evelyn“) wählte „Arbeitnehmer/Arbeitgeber“. Die Wörter würden in dramatischer Weise die Bedeutung von Arbeit verdrehen: Wer die Arbeit leistet, werde zum Arbeitnehmer abgestempelt. Wer sie hingegen bestellt, bezahlt und von ihr profitiert, werde als Arbeitgeber bezeichnet.

Fotonachweis: Marco2811 – Fotolia

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