Die Bundeswehr startete einen Grossangriff auf die radikal-islamischen Taliban im Norden Afghanistans. Am heutigen Morgen wurden Teile eines Berichts der "Rheinischen Post" bestätigt, wonach auch schwere Geschütze gegen die Rebellen eingesetzt werden. Der Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) argumentierte, dass die Sicherheitslage im Raum Kundus dramatisch schlechter geworden sei. Es hatte in den letzten Wochen immer wieder Angriffe und Hinterhalte auch auf deutsche Patrouillen gegeben. "Wir sind jetzt besonders herausgefordert in Kundus", sagte Jung.
Generalinspekteur Schneiderhan bestätigt Einsatz von Panzern in Afghanistan
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, teilte in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Minister mit, es sei "jetzt an der Zeit, diese Eskalation vorzunehmen". Ziel der Mission sei die Stabilisierung des Gebiets vor den anstehenden Präsidentenwahlen in Afghanistan im August.
An der Offensive nehmen rund 300 Soldaten der deutschen Einsatztruppen, sowie 800 afghanische Soldaten teil. Darüberhinaus seien 100 Mann der afghanischen Polizei im Einsatz. Zum erstmaligen Einsatz von schweren Geschützen, wie Panzern und Mörsern, sagte Schneiderhan: "Es gibt keine neue Befehlslage. Es gibt eine neue Lage (...) Der Raum Kundus hat sich negativ entwickelt. Da braucht man nicht drumherum zu reden."
Die Gerätschaften seien schon länger in Afghanistan gewesen. Die Befehlshaber vor Ort hätten über die Zeitpunkt und Art der Nutzung der Waffen entschieden. Die Angriffe auf die Taliban-Stellungen sollen noch etwa eine Woche andauern, wie es heisst. Verteidigungsminister Jung grenzte das Operationsgebiet auf einen Radius von 30 Kilometern um die Stadt Kundus ein.
Schützenpanzer "Marder" und Luftunterstützung sollen die Bodentruppen verstärken
Bereits am Montag hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, dass die Panzer des Typs "Marder" erstmalig in Afghanistan eingesetzt werden solle. Es wurde berichtet, dass die Schützenpanzer vor rund 14 Tagen nach Kundus verlegt worden. ihr vorheriger Standort war Masar-i-Scharif.
Die Bundeswehr teilte mit, dass die Taliban in dieser Region Unterstützung aus Pakistan erhalte. Man strebe eine Vertreibung der Taliban an, wobei die Bundeswehr die Ortstruppen der afghanischen Armee unterstützen soll. Am Montag wurde von dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) mitgeteilt, dass auch Luftunterstützung erfolgen werde. Der sogenannte "close air support" soll erstmals geschossen haben.
Nachwei: Abzug von 500 Polizisten könnte die Sicherheitslage verschlechtert haben
Gegen die Offensive der deutschen Truppen in Afghanistan sprach sich der Verteidigungsexperte der Grünen, Winfried Nachwei aus. Er befürchtete im RBB-Inforadio eine Spirale der Gewalt. Jetzt seien die Nachwirkungen von den Aktionen im letzten Jahr zu spüren. 500 Polizisten seien vergangenes Jahr ausser Dienst gestellt worden, weshalb die Taliban-Kämpfer dort Fuss fassen konnten.
Die amerikanischen Truppen erlitten bereits im Juni, 28 Verluste, im Juli sei nach Angaben der dpa unter Berufung auf die die Mittwochsausgabe der "Washington Post" die Zahl der Opfer unter den amerikanischen Truppen auf 31 gestiegen. Auch die Kontingente anderer Nationen mussten Tote beklagen.
(anf / dpa)

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