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21. November 2011, 10:05 Uhr
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Babak Rafati außer Lebensgefahr: Selbstmordversuch schockt die Liga

Schiedsrichter Babak Rafati hat am Wochenende für Entsetzen und tiefe Betroffenheit im deutschen Fußball gesorgt: Der 41-Jährige Referee hat sich in seinem Hotelzimmer in Köln die Pulsadern aufgeschnitten, wollte Selbstmord begehen. Was trieb ihn zu dieser Verzweiflungstat?
Nach der Tat befindet sich Rafati derweil außer Lebensgefahr, doch unter Spielern, Trainern und Funktionären hat sein Selbstmordversuch eine neuerliche Diskussion um die enorme psychische Belastung im harten Bundesliga-Alltag entfacht. "Es ist erschreckend, dass ein Mensch in der Mitte seines Lebens so ausweglos denkt", befand ein von den dramatischen Vorkommnissen gezeichneter DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Auch Liga-Präsident Reinhard Rauball zeigte sich "tief schockiert. Ich habe nicht geglaubt, dass so etwas möglich ist in einem so nahen Umfeld zu einem Bundesligaspiel. Ich bin sehr froh, dass er nicht mehr in Lebensgefahr ist, dass er noch rechtzeitig gerettet werden konnte", so Rauball.

Seine Schiedsrichterkollegen fanden Rafati mit aufgeschnittenen Pulsadern

Knapp zwei Stunden vor der Partie 1. FC Köln gegen FSV Mainz 05 wurde Rafati von seinen Assistenten in seinem Hotel-Zimmer gefunden - wahrscheinlich mit aufgeschnittenen Pulsadern. "Ich würde Sie bitten, mir Einzelheiten zu ersparen. Richtig ist, dass er in der Badewanne lag und natürlich auch viel Blut zu sehen war", wie Zwanziger auf einer Pressekonferenz in Köln berichtete.

Noch hat sich niemand über die Hintergründe des Selbstmordversuchs geäußert. "Es sind Notizen gefunden worden, die noch ausgewertet werden müssen. Deshalb kann ich zum Motiv noch nichts sagen", so Zwanziger weiter.

Vor einigen Wochen strich ihn der DFB von der FIFA-Liste

Nach dpa-Informationen gehörte Rafati entgegen erster Vermutungen nicht zu den 21 Schiedsrichtern, gegen die derzeit in der Steueraffäre ermittelt wird. Doch der Bankkaufmann aus Hannover war seit einigen Jahren heftiger Kritik ausgesetzt und wurde dreimal von den Profis zum schlechtesten Referee der Liga gewählt, vor einigen Wochen nahm ihn der DFB von der FIFA-Liste.

Rafatis Vater Djalal machte klar, dass er vor der Tat keine Anzeichen von Resignation bei seinem Sohne erkennen konnte. "Von Depressionen oder Burn-out hat mein Sohn nie etwas erzählt. Wenn er das getan hätte, hätte ich reagiert", sagte er in einem Interview des "Express". Sein Sohn habe sich in einem Telefonat entschuldigt. "Er sagte nur: Papa, verzeih mir, was ich getan habe", so der Vater weiter.

Rafati steht ein schwerer Weg zurück ins Leben bevor

"Der Druck auf die Schiedsrichter, überhaupt im Leistungssport, ist aus unterschiedlichen Gründen unheimlich hoch. Und wir schaffen es einfach nicht, dies in eine richtige Balance zu bringen. Man darf sich nicht in eine Sache so stark hineinbewegen, dass man am Schluss in eine ausweglose Situation gerät", sagte Zwanziger.

"Ich wünsche ihm, dass er diese Krankheit, die er im Moment akut hat, überwindet, dann aber auch die Ursachen beseitigen kann, die ihn dazu veranlassen mussten, eine solche Tat zu begehen.", wurde Rauball noch deutlicher

Babak Rafati wird derzeit in der Kölner Eduardus-Klinik medizinisch versorgt, sein Gesundheitszustand ist laut Zwanziger stabil. In den kommenden Wochen und Monaten steht ihm nun ein schwerer Weg zurück ins Leben bevor. "Wir müssen darauf hoffen, dass das, was ihn belastet hat und was zu dieser Ausweglosigkeit beigetragen hat - sonst macht man ja keinen Suizidversuch - transparent wird und man ihm helfen kann", erklärte Zwanziger.

Rafati überlebte wohl nur, weil seine Kollegen Patrick Ittrich, Holger Henschel und Frank Willenborg so schnell handelten. "Ihnen kommt das entscheidende Verdienst zu. Sie haben alle Schritte sofort eingeleitet und kühlen Kopf bewahrt", wie der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) lobt. Das Trio ließ die Tür zu Rafatis Zimmer im Kölner Hyatt-Hotel öffnen, nachdem der sonst immer pünktliche Schiedsrichter nicht zur Spielbesprechung erschienen war. (NCA)
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